Warum Deine Filmidee nahezu sicher ein Zombie wird!

Ideen für den Friedhof

Warum Deine Filmidee nahezu sicher ein Zombie wird!
Zombies fressen Hirne. Darum sind Möchtegern-Autoren vor ihnen sicher!

Himmelhoch jauchzend mit der eigenen Filmidee direkt und mühelos in Verhandlungen zur Finanzierung und in Vorbereitung der Dreharbeiten zu gehen, ist ebenso wahrscheinlich, wie dass Tom Hardy, Gal Gadot oder Emilia Clarke die Hauptrolle in einem von Dir erfundenen Film  oder in Deiner Serie spielen. Daran ändert auch nichts, wenn Du bereits ein Drehbuch vorlegen kannst. Spielfilmarbeit ist ein Ticket in die Hölle. Sogar für Profis. Das hat nicht nur mit der Qualität der Stoffe zu tun.

Regisseur Werner Herzog behauptete: «Auch Zwerge haben einmal klein angefangen!» Trotzdem scheitern die meisten Spielfilme nicht an der Kinokasse, sondern daran, dass sie gar nicht realisiert werden. Ab dann geistern sie oft jahrelang als Zombies durch Studios und Produktionshäuser.

Die Todesrate einer Filmidee auf dem Weg in die Produktion ist selbst bei höchst professionellen Projekten gigantisch groß. Während es in Ländern, in denen eine Filmförderung existiert, detaillierte Statistiken gibt, wie viele Drehbücher und Spielfilme im jeweiligen Jahr unterstützt wurden, gibt es keine Angaben zu Filmvorhaben, welche, wie beispielsweise in den USA, nicht durch öffentliche Gelder finanziert sind.

Anders als bei der Frage, wie viele Entscheidungen für die Herstellung eines Films oder Videos notwendig sind (zu diesem Artikel geht es hier), gibt es für die Umsetzung einer Filmidee kaum verbindliche Regeln. Und dort wo es diese gibt, wird sie Dir niemand sagen. Denn wie der doppelte Oscar-Gewinner William Goldman schon feststellte: «Nicht alle wissen in diesem Geschäft nicht alles. Einige tun nur so!»

Klar muss Dir sein: Im Spielfilm oder Dokumentarfilm spielen bei der Entstehung auch viele sogenannte weiche Faktoren eine wichtige Rolle. Trotzdem gibt es sich wiederholende, für Insider erkennbare Gründe, warum Projekte in das Stadium der Realisation kommen. Oder eben nicht.

Es geht hier also nicht um die allgemein und sattsam bekannten Fragen nach der Qualität einer Story, eines Drehbuchs oder nach der Größe des finanzierbaren Budgets in Bezug auf die Finanzierbarkeit (Pre-Sales, Förderung, Eigenanteile) eines Spielfilms im Verhältnis zum Zielmarkt. Hierzu bestehen es jede Menge Literatur, Meinungen und sind Informationen greifbar.

Warum also kann eine Filmidee noch vor der Realisation plötzlich untergehen?

Warum Deine Filmidee nie realisiert wird

Ideen zu haben, ist himmlisch. Sie umzusetzen die Hölle. So einfach. Dafür gibt es fünf Gründe:

1. Kein Bedürfnis

Es ist erschreckend banal. So wie Deine Story. Niemand glaubt an Deine Filmidee! Du siehst das natürlich anders, schaffst es aber trotz aller Anstrengungen nicht, schlüssig zu erklären warum Deine Filmidee ein Bedürfnis des Publikums erfüllen kann Damit ein Film zum Fliegen kommt, muss er mehr als nur eine originelle Story mit Potential zum Spielfilm oder TV-Movie sein. Er muss das Publikum verführen, berühren und eine Brücke in die reale Lebenswelt zu schlagen vermögen.

Da tut es dann nichts zur Sache, ob Deine Filmidee rechtlichen Schutz genießt und Du gegen eine Urheberrechtsverletzung vorgehen könntest. Denn was niemand will, wird auch von niemandem gestohlen.

Du magst das schlecht finden. Trotzdem ist jeder Film immer auch ein Produkt. Das spricht Deinem Spiel- oder Dokumentarfilm die künstlerische Komponente nicht ab. Aber als Produkt gehorchen Filme und Serien den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Zu viele Produkte sind nicht nur für die Filmförderung ein Problem, sondern führen irgendwann zu einer Übersättigung des Marktes und zu einem Käufermarkt statt einem Verkäufermarkt.

2. Kein Geld im Markt

Ein Drehbuch auf Basis einer Filmidee lässt sich ohne große Investitionen schreiben, von Dir als Autor mit dem notwendigen Willen oder Übermut sogar nahezu ohne Geld. Genau umgekehrt verhält es sich bei der Realisation.

Selbst sogenannt kleine Filme kosten, professionell hergestellt, eine enorme Stange Geld. Sind diese Mittel nicht vorhanden, sei es, weil die Filmförderung ihre Mittel ausgeschöpft hat, oder weil private Investoren alternative Investments als ein kleineres Risiko mit mehr Ertragschancen einschätzen, wird aus Deiner Filmidee nie ein Film werden. Auch wenn Du ein Genie bist und Dein Plot einzigartig.

Probleme die man beim Spielfilm nicht mit Geld lösen kann, löst man mit viel Geld. Film ist hochspezialisiertes Handwerk und die Arbeit von Spezialisten kostet. Die Kunst benötigt – gerade im Film – das Handwerk weit dringender, als das Handwerk die Kunst.

3. Keine Dringlichkeit

Niemand mag Stress, Termindruck oder Deadlines. Trotzdem finden Projekte auf Basis einer Filmidee, die aus einem bestimmten Grund bis zum Zeitpunkt X abheben muss, meist zuverlässiger auf die Startbahn als qualitativ gleichwertige Ideen, die irgendwann einmal realisiert werden können. Irgendwann heißt in der Unterhaltungsindustrie: es geht genauso gut auch später. Später, das bedeutet: nie!

Herrscht aus Sicht des Publikums eine (theoretische) Dringlichkeit aufgrund von belegbaren Fakten, kommt der Ball mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit ins Rollen.

4. Kein inneres Feuer

Ein Spielfilm wird nicht nur mit Geld, sondern auch mit einer noch teureren Währung bezahlt: mit Lebenszeit der Beteiligten. Fehlt das innere Feuer für eine Projektidee, fehlt auch das notwendige Quäntchen an zusätzlicher Energie, die als Zünglein an der Waage den Ausschlag für die Umsetzung Deiner Filmidee gibt.

Wenn Du und Deine Kontakte für das Projekt nicht brennen, nicht für Deine Filmidee kämpfen und andere begeistern können, wer um Oscars willen soll es dann tun! Dann beerdige Deine Filmidee lieber sofort.

5. Kein Vertrauen

Vertrauen ist das A und O im Filmgeschäft. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Du als Urheber einer Filmidee das Vertrauen von Beginn weg brauchst. Ist der Film oder die TV-Serie fertiggestellt und zeigt sich, dass das Vertrauen in Deine Filmidee tatsächlich gerechtfertigt war, tut das der Seele gut. Der Film aber ist zu diesem Zeitpunkt längst gemacht, das Geld ausgegeben. Aus Sicht des Autors muss das Vertrauen in den Film vor dem Film da sein. Fehlt der Glauben, fehlen auch die finanziellen Mittel. Darum gilt: ohne Vertrauensvorschuss kein Film.

Beispiel aus der Praxis

Eine Filmidee stirbt nicht nur an der Kinokasse, sondern viel häufiger, weil sie gar nie als Film oder Serie realisiert wird. Selbst wenn Du als Urheber der Filmidee scheinbar alles richtig gemacht hast. Schuld daran sind nicht nur kreative Fragen und technische Aspekte der Umsetzung (Budget, Frage nach Regie oder Besetzung), sondern auch weiche Faktoren. Inneres Feuer, Dringlichkeit, Nachfrage und Vertrauen, können schnell einmal den Tod Deiner Filmidee bedeuten.

Kämpfte 17 Jahre bis er seinen Spielfilm realisieren konnte: Terry Gilliam. (Foto: Facebook)
17 Jahre für seinen Film gekämpft: Terry Gilliam (Foto: Facebook)

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Die Ausnahme heißt Terry Gilliam, ist Regisseur und ein Kaliber von Weltformat. Gilliam hat während unglaublichen 17 Jahren darum gekämpft, sein Projekt The Man Who Killed Don Quichotte drehen zu können (Zitat: «Bevor dieser Film stirbt, sterbe ich!»).

Im Jahr 2000 starteten die Dreharbeiten. Dann aber fehlte nach einer Reihe unglücklich verketteter Vorfälle das Geld und das Vertrauen, um mit dem Dreh fortzufahren. Nach dem ersten Zusammenbruch des Projekts ging die Dringlichkeit für eine schnelle Lösung des Problems verloren. Als 2006 die Probleme behoben waren, hatte der bisherige Hauptdarsteller Johnny Depp sein Interesse (das innere Feuer) für die Filmidee verloren. Als Folge davon brach die Finanzierung des Films zusammen. All dies ist höchst amüsant dokumentiert im absolut sehenswerten Dokumentarfilm «Lost in La Mancha».

2010 kündigte der Regisseur und Autor zum großen Erstaunen der Filmbranche an, dass die Dreharbeiten mit einem neuen Hauptdarsteller im September 2011 starten würden. Trotz reduziertem Budget (von 35 Mio. USD auf neu 20 Mio. USD) gelang es wieder nicht, die Finanzierung für den Spielfilm zu sichern. 2014 wurde offiziell mitgeteilt, die Produktion sei nun definitiv (= Start der Drehvorbereitung). Weitere drei Jahre vergingen, bevor zwischen Januar 2017 und Juni 2017 die Dreharbeiten stattfanden. Der Kinostart des Spielfilms ist für 2018 vorgesehen. | filmpuls logo


Im Interesse der Lesbarkeit wurden in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Artikel Filmpuls

Zachery Z.
Wer ist Zachery Z.? 9 Artikel
Zachery Zelluloid (62) ist in der Unterhaltungsindustrie tätig. Der passionierte Golfspieler und Hobbywinzer schreibt unter Pseudonym, weil er weder seine vertraglichen Schweigepflichten verletzen noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

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