Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und Bildgröße: Alles was Du wissen musst

Die ultimative Einführung (Teil 1)

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Der Siegeszug der digitalen Kinokameras hat auf allen Budgetstufen die analogen Filmaufnahmen und die damit zusammenhängenden Verfahren verdrängt. Ein Filmformat wie Super 35, Cinemascope sind zwar noch Ikonen, aber eben Ikonen der Filmgeschichte und nicht der Gegenwart. Die ebenso legendären Hersteller analoger Filmkameras allerdings, ARRI (München, Deutschland, seit 1917) und Panavision (Woodland Hills, USA, seit 1954) haben es geschafft, sich dank der Entwicklung von Digitalkameras (Arri: Alexa-Typenreihe, Panavision: Genesis-Typenreihe in Zusammenarbeit mit Sony) in die Neuzeit zu retten.

Exkurs: Film-Format bei analoger Aufnahmetechnik

Bei analogen Aufnahmeverfahren mit mechanischen Kameras entscheiden nicht die digitalen Bildsensoren über die Bildgröße und das Filmformat. Die belichtete Fläche bestimmt über die Bildqualität. Drehformate werden darum im analogen Film nach der Filmbreite benannt. Ist ein Rohfilm 35MM oder 65MM breit, spricht man von einem Format in 35MM oder 65MM.

Wie heute im digitalen Geschäft wurde der Begriff „Filmformat“ schon früher unscharf definiert. Er steht auch für die Laufrichtung des Films in einem analogen Projektor (das ist mit „vertikalem“ oder „horizontalem“ Format gemeint). Ergänzend kann im Analogfilm aber auch die Bildfrequenz pro Sekunde, die Anzahl der Perforationslöcher im Zelluloid oder die Art der optischen Abbildung (unverzerrt oder anamorphotisch) bezeichnen.

Heute exotisch anmutende Seitenverhältnisse wurden meist in den 50er und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts als Antwort auf die Farbfernseher erfunden. Mit spektakulären Seherlebnissen wollten die Studios die TV-Zuschauer wieder zurück in die Kinos locken. So entstanden u.a. das Vistavision-Verfahren mit horizontal geführtem 35MM-Film und einem Seitenverhältnis von 2:1 (!) auf den vertikal abgespielten Filmkopien im Kino.

Extrembeispiele für Sensationsformate waren Filme mit einem Seitenverhältnisse von 1:2.65 (Cinerama, populär von 1952 bis 1962) und Ultra Panavision 1:2.76 (ab 1957, 2015 von Quentin Tarantino für „The Hateful Eight“ wiederentdeckt) oder Imax (seit 1967).

Die Spezifikationen des Drehformats im Analogfilm lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

Gruppe 1: Aufnahmesystem

  • Filmbreite
  • Perforation (die „Löcher“ am Filmrand)
  • Größe des Einzelbildes (auch in den USA als Millimeter angegeben)
  • Seitenverhältnis
  • Verzerrung (anamorphotisch oder nicht)
  • Filmlauf

Gruppe 3: Projektionssystem

  • Filmbreite
  • Perforation

Ebenso wie beim Begriff Drehformat als Untergruppe vom Filmformat gilt für analoge wie digitale Formate, auch die Bildfrequenz (die Anzahl Einzelbilder pro Zeiteinheit).

-> Fortsetzung: Seite 5

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6 Leser-Erfahrungen

  1. Man glaubt immer gar nicht, wie viel man dann doch für die Videos rechnen muss. Eine Freundin wollte am Wochenende eine Blume mit einem 4K Video aufnehmen lassen. Allerdings stand diese draußen. Der kleinste Windhauch bewegte die Blüte und die Aufnahme musste abgebrochen werden.

  2. @Emmi: bei Videokameras mit feineren Pixeln und hoher Bildauflösung wie 4K kann es bei Bewegungen vor der Kamera und ebenso bei Kameraschwenks oder Bewegungen der Kamera selbst Probleme mit der Schärfe geben. Der Profi-Tipp: Bildfrequenz erhöhen und das Problem ist gelöst. Viel Spass mit den Blumen!

  3. Warum ergibt das Seitenverhältnis 16:9 bei 2K eine Auflösung von 2048×1080 px wenn es rechnerisch eine Auflösung von 2048×1125 px ergibt?

    Liebe Grüße

  4. Kann mir jemand sagen, wie man die Qualität von alten Filme von Rollfilm-Kameras festlegt? Also, wenn man alte Filme aus den 30ern digitalisieren würde, wie groß wäre die Auflösung?

    LG

  5. Hi Richard

    Gute Frage. Leider ist die Antwort nicht ganz so einfach.

    (1) Es kommt darauf an, ob der „alte“ Film für die Zukunft nach höchst professionellen Standards gesichert werden soll. Diesfalls wird man die bestmögliche Abtastungsrate und die grösstmögliche Auflösung wählen. Ich selbst habe bei der London Heritage Foundation einen Fall erlebt, da wurde ein alter Film wiederum auf Film und auf 35MM gesichert. Ganz einfach, weil die Verantwortlichen davon ausgingen, dass egal mit welchem Verfahren eine solche Kopie auch in 50 Jahren gescannt werden kann.

    (2) Willst du den Film für dich privat sichern (weil er Familien- oder Unternehmensgeschichte spiegelt), bist du mit 2K (2048 x 1080 Pixel) oder 4K (4096 x 2160) gut bedient.

    (3) Die technische Antwort ist, dass es etwa 20 Millionen qualitativ hochwertige Pixel in einer hochwertigen 35 mm-Aufnahme gibt. Das ist aber nur bei Aufnahmen der Fall, welche ab Stativ und mit einer erstklassigen Linse und dem feinsten Film bei gutem Licht gemacht worden ist. Das trifft für historisches Material nicht zu. Hier sind 4–7 Millionen eher typisch und sogar gut für historische Aufnahmen. Bei einer Handheld-Aufnahme oder einer Kamera mit einem schlechten Objektiv kann die Auflösung auf bis zu 4 Millionen Pixel sinken, im Extremfall sogar unter 1–2 Millionen Pixel. Film als analoges Medium zeichnet nicht nur 256 Graustufen oder die entsprechenden 16 Millionen Farben auf. Filmscanner, die nur 8 Bit pro Farbe verarbeiten, erhalten 24 Bit Daten für jedes einzelne Pixel. Gute Filmscanner können auch mehr als nur Stufen von 0 bis 255 extrahieren. Sie können oft bis zu 12 Bit (0 bis 4097) gehen, um viel mehr Details im Schatten zu erkennen und mehr Kontrast zu erzeugen. So erhält ein Filmscanner statt 8 bis zu 36 Bit Information pro Pixel.

    Viel Erfolg, CPO

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