Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und Bildgröße: Alles was Du wissen musst

Die ultimative Einführung (Teil 1)

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Das Seitenverhältnis wird teilweise auch als Bildformat bezeichnet. Beide Begriffe, Bildformat und Seitenformat sind identisch.

Seitenverhältnis bei Film und Video

Das Seitenverhältnis ist eine Kennzahl für das Filmformat, das sich aus dem Zusammenspiel der Breite und der Höhe eines Filmbildes oder Bildschirms kalkulieren lässt.

Seitenverhältnis bei Film und VideoIn der Regel wird das Seitenverhältnis losgelöst von der Bildgröße immer als Verhältnis der Breite zur Höhe angegeben. Aber keine Regel ohne Ausnahme: bei Kinoleinwänden verhält es sich seit Jahren genau umgekehrt! Hier wird das Seitenverhältnis als Verhältnis der Höhe zur Breite berechnet. Dies ist historisch begründet. Die Größe der Leinwand in den Kinos blieb sich über Jahrzehnte (und bis heute) gleich, während die Formate mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen kamen und gingen, wobei allerdings nur die Bildbreiten, nicht aber die Höhen variierten, beispielsweise beim 70MM Film.

Das Bezugsmaß im Kino blieb immer die Höhe, während im damals neuen Medium TV die Bildschirmbreite als wesentlicher Referenzwert betrachtet wurde.

Bei Bildschirmen und Screens wird das Seitenverhältnis im Bildformat oft als Bruch ausgewiesen, also beispielsweise 16 : 9 (Breite = 16 Teile, Höhe = 9 Teile). Um die Verwendung als Kennzahl, die man sich einfach merken können soll, sicherzustellen wird der exakte Wert oftmals nach Bedarf auf- oder gerundet oder auf einstellige Ziffern beschränkt.

Während der Geschichte des Kinos wurden über die Jahrzehnte immer wieder ein neues Filmformat und Seitenverhältnis „erfunden“, während andere Bildgrößen aus der Mode kamen. Das ist heute nicht anders. Vor rund 10 Jahren sollte das Format 3-D eine Revolution im Kino und im Bereich der Fernsehgeräte auslösen. Als sich die Zuschauer dieser Pseudo-Innovation verweigerten, wurden flugs gekrümmte TV-Bildschirme „erfunden“ (sog. Curved Displays). Auch dieser Nachfolge-Trend scheint aufgrund erbärmlicher Verkaufszahlen zum Flop zu werden.

Diejenigen Seitenformate, die sich bis heute gehalten haben werden als „Klassiker“ bezeichnet.

Klassische Seitenverhältnisse beim Filmformat sind für die Bildgröße:

  • Erstens das eigentliche Ursprungsformat Kinos und des 35MM Films: 4 : 3 (1.33 : 1). Dieses Seitenverhältnis überlebte und prägte den Siegeszug des Fernsehens und war während Jahren unangefochtener Standard für das Seitenverhältnis von TV-Bildern. Der Cannes-Gewinner von 2015, Son of Saul, wurde mit einem Seitenverhältnis von 4 : 3 gedreht. Die Bilder von Imax bewegen sich mit einem Format von  1,36 : 1  bis heute nahe am Verhältnis 4 : 3.
  • Zweitens das im Spielfilm übliche und vom Zuschauer gelernte Seitenverhältnis von 1,66 : 1 (auf eine Ziffer gerundet 5 : 3), und, als noch cineastischer geltend, das Format 1,85 : 1.

Ab 1990 wurde aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und zum Verkauf neuer Geräte ein weiteres Format für TV-Bildschirme etabliert: 16 : 9 (1.78 : 1). Dieses Seitenverhältnis gilt bis heute als eigentlicher TV-Standard, auch weil es von der Industrie und der damit einhergehenden technischen Normierung im TV unterstützt wurde. Die Urmutter aller Seitenverhältnisse, 4 : 3, ist jedoch bis heute in den Industrienormen enthalten.

  • Drittens das Seitenverhältnis von 21:9 (eigentlich 64 : 27 = 2,37 : 1, welches als „Super Format“ das veraltete Bildformat 16:9 ablösen sollte und ein jüngerer Trend als die beiden anderen Formate ist. Die ersten entsprechenden Fernseher mit extremer Bildbreite wurden von den Herstellern allerdings schon 2009 lanciert. In der Praxis und im Alltag sind aber 8 Jahre später noch immer das Filmformat und Bilder mit 16:9 auch im hochauflösenden Standard das dominierende Seitenverhältnis. Der Vorteil von 21 : 9 soll darin liegen, dass entsprechende Kinofilme auf entsprechenden Bildschirmen ohne horizontale Streifen angesehen werden können.

Am Ende des Tages ist und bleibt aber auch beim Einsatz von 21:9 als Bildformat, wie bei der Bildgröße auch, alles eine Frage des Formats. Warum?

Seitenverhältnis bei Film und VideoEin Distributionsformat mit neuem Seitenverhältnis ergibt nur dann Sinn, wenn das Original-Material in der entsprechenden Qualität produziert und verarbeitet wird. Das gilt für 16 : 9 genauso wie für 21 : 9. Für  das Bildformat 21 : 9 existieren bis heute aber kaum Filme, die in diesem Format hergestellt wurden. Das führt dazu, dass Filme auf diesen Bildschirmen bisher entweder mit vertikalen schwarzen Balken, oder „aufgeblasen“ oder „verzerrt“ dargestellt werden.

Beides ist für die wahren Liebhaber vom altmodischen Filmformat und großer Kinobilder und für Cineasten keine annehmbare Option. Höher schlagen lässt das Herz von Filmfreunden umgekehrt aber die Tatsache, dass 21 : 9 nahezu dem Seitenverhältnis des legendären Analog-Film-Formats Cinemascope entspricht (2,55 : 1, später 2,35 : 1 und 2,40 : 1). Die Geschichte scheint sich auch in Bezug auf Seitenverhältnisse und das Bildformat zu wiederholen.

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6 Leser-Erfahrungen

  1. Man glaubt immer gar nicht, wie viel man dann doch für die Videos rechnen muss. Eine Freundin wollte am Wochenende eine Blume mit einem 4K Video aufnehmen lassen. Allerdings stand diese draußen. Der kleinste Windhauch bewegte die Blüte und die Aufnahme musste abgebrochen werden.

  2. @Emmi: bei Videokameras mit feineren Pixeln und hoher Bildauflösung wie 4K kann es bei Bewegungen vor der Kamera und ebenso bei Kameraschwenks oder Bewegungen der Kamera selbst Probleme mit der Schärfe geben. Der Profi-Tipp: Bildfrequenz erhöhen und das Problem ist gelöst. Viel Spass mit den Blumen!

  3. Warum ergibt das Seitenverhältnis 16:9 bei 2K eine Auflösung von 2048×1080 px wenn es rechnerisch eine Auflösung von 2048×1125 px ergibt?

    Liebe Grüße

  4. Kann mir jemand sagen, wie man die Qualität von alten Filme von Rollfilm-Kameras festlegt? Also, wenn man alte Filme aus den 30ern digitalisieren würde, wie groß wäre die Auflösung?

    LG

  5. Hi Richard

    Gute Frage. Leider ist die Antwort nicht ganz so einfach.

    (1) Es kommt darauf an, ob der „alte“ Film für die Zukunft nach höchst professionellen Standards gesichert werden soll. Diesfalls wird man die bestmögliche Abtastungsrate und die grösstmögliche Auflösung wählen. Ich selbst habe bei der London Heritage Foundation einen Fall erlebt, da wurde ein alter Film wiederum auf Film und auf 35MM gesichert. Ganz einfach, weil die Verantwortlichen davon ausgingen, dass egal mit welchem Verfahren eine solche Kopie auch in 50 Jahren gescannt werden kann.

    (2) Willst du den Film für dich privat sichern (weil er Familien- oder Unternehmensgeschichte spiegelt), bist du mit 2K (2048 x 1080 Pixel) oder 4K (4096 x 2160) gut bedient.

    (3) Die technische Antwort ist, dass es etwa 20 Millionen qualitativ hochwertige Pixel in einer hochwertigen 35 mm-Aufnahme gibt. Das ist aber nur bei Aufnahmen der Fall, welche ab Stativ und mit einer erstklassigen Linse und dem feinsten Film bei gutem Licht gemacht worden ist. Das trifft für historisches Material nicht zu. Hier sind 4–7 Millionen eher typisch und sogar gut für historische Aufnahmen. Bei einer Handheld-Aufnahme oder einer Kamera mit einem schlechten Objektiv kann die Auflösung auf bis zu 4 Millionen Pixel sinken, im Extremfall sogar unter 1–2 Millionen Pixel. Film als analoges Medium zeichnet nicht nur 256 Graustufen oder die entsprechenden 16 Millionen Farben auf. Filmscanner, die nur 8 Bit pro Farbe verarbeiten, erhalten 24 Bit Daten für jedes einzelne Pixel. Gute Filmscanner können auch mehr als nur Stufen von 0 bis 255 extrahieren. Sie können oft bis zu 12 Bit (0 bis 4097) gehen, um viel mehr Details im Schatten zu erkennen und mehr Kontrast zu erzeugen. So erhält ein Filmscanner statt 8 bis zu 36 Bit Information pro Pixel.

    Viel Erfolg, CPO

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