Über echte und falsche Filmagenturen oder wo der Weihnachtsmann im Pfeffer liegt

Filmagentur Agentur für Filme
Kein helles Licht, aber dafür eine Leuchte? | © Adobe Stock

Wer heute seine sieben Sinne beisammen hat und von Berufs wegen mit seiner Firma Videos produziert, nennt sich heute Filmagentur. Leider erweisen die meisten Videoproduktionsfirmen damit weder sich selbst, noch der Branche einen Dienst. Und ihren Kunden schon gar nicht! Warum und was das mit dem Glauben an den Weihnachtsmann zu tun hat, das erklärt dieser Artikel.

Berufsbezeichnungen beim Film sind nicht geschützt. Dasselbe lässt sich auch für die Bezeichnung des eigenen Geschäfts bei Videoproduzenten festhalten. Jeder darf sich und seine Tätigkeit nennen, wie es ihm beliebt. Seit einigen Jahren ist nun auch in die hinterste Ecke der Videoindustrie durchgedrungen, dass man sich Filmagentur und nicht mehr Filmproduktion oder Videoproduktion nennen sollte. Das hat Folgen:

Was ist eine Filmagentur / Videoagentur?

Um festzustellen, was eine Agentur für Videos, kurz: eine Filmagentur ist, lohnt sich der Blick auf die Frage, was man denn unter einer Agentur versteht.

videoagentur bewegtbildagentur
© Foto: Adobe Stock
Aha!

Warum heute jede Marketing- und Kommuni­kations­maßnahme als Kampagne gedacht werden muss

Eine gut durchgeführte Werbe- oder Marketingkampagne immer aus verschiedenen Elementen, die zusammenwirken, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Eine Video-Werbekampagne kann zum Beispiel aus Clips unterschiedlichen Längen für die sozialen Medien, Messen und die Firmenseite bestehen, die alle das gleiche Bildmaterial und die gleiche Botschaft enthalten. Diese Art von Kampagne dient dazu, eine einheitliche Markenidentität und Botschaft zu schaffen, die von den Verbrauchern leicht wiedererkannt werden. Außerdem sollte jedes Element der Kampagne die anderen verstärken, damit ein zusammenhängendes und wirkungsvolles Ganzes entsteht.

Wenn ein Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt bringt, wird es wahrscheinlich eine Mischung aus traditioneller Werbung (z. B. Fernsehspots und Printanzeigen) und digitalem Marketing (z. B. Online-Bannerwerbung und Beiträge in den sozialen Medien) einsetzen. Dabei müssen alle Elemente die gleiche Kernbotschaft enthalten. So wird sichergestellt, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die gleiche Botschaft mehrmals sehen und hören, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich an sie erinnern, wenn sie bereit sind, einen Kauf zu tätigen.

Etablierte Werbe- oder Kommunikationsagenturen bieten ein breites Spektrum von Dienstleistungen an, um ihre Kunden bei der effektiven Vermarktung und Kommunikation ihrer Produkte, Dienstleistungen oder Marken zu unterstützen. Diese Dienstleistungen reichen von der Entwicklung und Erstellung von Werbekampagnen über die Planung und Umsetzung von Marketingstrategien bis hin zur Durchführung von Marktforschung, Medienarbeit und vielem mehr.

In den meisten Fällen verfügen Kommunikationsagenturen über ein Team hoch qualifizierter und erfahrener Fachleute, die sich mit verschiedenen Aspekten des Marketings und der Werbung auskennen, sodass sie ihren Kunden umfassende und bewährte Lösungen anbieten können. Überdies bieten viele echte Filmagenturen auch zusätzliche Dienstleistungen wie Webdesign und Webentwicklung, Grafikdesign, Veranstaltungsplanung und vieles mehr an.

Grundsätzlich ist eine Agentur eine Dienstleisterin, die im ursprünglichen Wortsinn eine Vermittlungsleistung erbringt.

In der Praxis zeigt sich, dass die Mehrzahl aller Agenturen nicht nur Vermittlungsdienst erbringen. Sondern zumeist in einem speziellen Feld spezialisierte Eigenleistungen erbringen.

Bekanntestes Beispiel dafür ist die Werbeagentur. Ihre Kernkompetenz liegt in der Regel in der Erarbeitung von Strategien und kreativen Konzepten. Die Umsetzung der darauf basierenden Kommunikationsmaßnahmen erbringen Subunternehmer. Dazu gehören auch die Anbieter von Videos.

Filmagenturen im ursprünglichen Sinne haben darum keine Filme produziert. Sie waren darauf spezialisiert, Videos zu vermarkten. Oder aber die Rechte an Archivmaterial (Stock Footage) zu erwerben und an Dritte weiterzuverkaufen. Später kam die Distribution über digitale Kanäle dazu.

Wer als Unternehmen einen Film produzieren wollte, kontaktierte eine Werbeagentur. Diese übernahm alle weiteren Schritte und überwachte als Stellvertreter für den Auftraggeber die Filmproduktion.

Warum man eine Filmagentur sein will

Videoproduzenten taten sich seit jeher in der Zusammenarbeit mit Werbeagenturen schwer. In der Tat besaßen viele Netzwerkagenturen nur minimales Know-how, wenn es um die Details der Filmerstellung ging. Weil sie aber den Kundenkontakt besaßen, hatten die Produzenten keine andere Wahl, als zähneknirschend in der Rolle des Subcontractor in der zweiten Reihe zu stehen. Ehrlicherweise hielt sich die Begeisterung der Filmemacher häufig auch darum in Grenzen, weil sich ein Agenturproducer sehr viel weniger mit Fachchinesisch über den sprichwörtlichen Tisch ziehen ließ als ein unwissender Kunde.

Natürlich konnten die Agenturen gar nicht anders, als den steigenden Kostendruck an ihre Subunternehmer weiterzugeben.

Im Bewusstsein um das eigene Wissen im Bereich der Filmherstellung lag der Gedanke auf der Hand, als Videofirma den Mittler – also die Werbeagentur – auszuschalten. Es lockte der direkte Dialog mit dem Kunden, höhere Umsätze durch die Erbringung zusätzliche Dienstleistungen und die Befriedigung, den hochnäsigen Agenturen zu demonstrieren, dass sie keinesfalls unersetzlich wären.

Effizienzgewinn und tiefere Kosten als todsichere Geschäftsidee?

Bemerkenswerterweise kam kaum je eine traditionelle Agentur auf die Idee, sich Filmagentur zu nennen. Die Videobranche kannte diesbezüglich umgekehrt keinerlei Hemmung, dem eigenen Geschäft nun den vielversprechenden Zusatz Agentur beizufügen.

Der Videoeditor, der sich mit 25 Jahren nach seiner ersten beruflichen Stelle selbstständig machte, nannte sich genauso Agentur für Filme wie der Produzent von Imagefilmen, Werbeclips für Social Media oder Online-Videos für Webseiten.

In der Tat ließen sich viele Auftraggeber bei der Evaluation von Video-Produktionspartnern vom Zusatz „Agentur“ blenden. Auch sie versprachen sich von der neuen Konstellation einen kommunikativen Effizienzgewinn und tiefere Produktionskosten. Dies ganz besonders dann, wenn es um Firmen ging, die neu und erstmals mit Video kommunizieren wollten.

Tatsächlich gibt es reihenweise Filmagenturen, die so wie schon früher in der Lage sind, Videokonzepte zu entwickeln und gute Umsetzungsideen haben. Sie alle bestätigen auf Nachfrage des Kunden im Brustton der Überzeugung, kreative Höchstleistungen in Filme verwandeln zu können. Nur: Vergessen geht dabei immer wieder, dass Filme nur ein Mittel zum Zweck sind. Videos sind ein Leistungsversprechen! Sie haben eine Aufgabe zu erfüllen und nach professionellen Agenturverständnis ein messbares Ziel zu erfüllen.

Echte und unechte Agenturen für Filme

Eine echte Filmagentur, welche diesen Namen verdient, wird über das Aufführen eines Wirkungsversprechens als Grundvoraussetzung für eine Agenturdienstleistung nur müde lächeln. Weil das immer so war und immer so sein wird. Kommunikationskonzepte sind für sie genauso wie die Abbildung der Entscheidungsprozesse der Zielgruppe im Marketingmix eine Selbstverständlichkeit.

Das tun auch Konstrukte, die man als unechte Agenturen für Filme bezeichnen muss. Auch sie sind zutiefst überzeugt, dass die Kraft des bewegten Bildes unübertrefflich ist und Video die Antwort auf Fragen ist, die man gar nicht gestellt hat. Zu solchen Fragen gehören etwa Kommunikationsstrategien oder die nach Verhaltenspsychologischen gestaffelten Schritte bei professionellem Marketing oder PR.

Unechte Filmagenturen verwechseln gern einmal Ursache und Wirkung. Solche Schmalspurfilmer verkennen, dass ein Film immer nur die Folge ist. Oder um es mit Paul Watzlawick so trefflich zu formulieren: wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, sieht in jedem Problem einen Nagel!

Es wäre falsch, der Mehrheit der Filmagenturen anstelle von Ignoranz böse Absichten zu unterstellen. Dennoch treiben sie mit ihrer Unwissenheit, was professionelle Kommunikation tatsächlich bedeutet, nicht nur die Vulgarisierung der Videobranche weiter voran. Sie torpedieren dabei zugleich die Wirksamkeit des Mediums, weil sie als Esel das Pferd vom Schwanz her aufzäumen. Tragisch ist es auch darum, weil die Wirksamkeit das größte und schönste Argument ist, das Bewegtbild im Kommunikationsmix in die Waagschale werfen kann.

Fazit

Liebe Filmagenturen, die ihr keine seid: Erledigt verdammt noch mal eure Hausaufgaben! Sucht die Kooperation mit echten Agenturen oder lernt wenigstens da das erforderliche strategische Handwerk und die 1000 Details kennen, die eine Maßnahme nachhaltig erfolgreich machen.

Liebe Auftraggeber, die ihr den Schlüssel im Schloss dreht: Es mag möglicherweise in euren Organisationen nicht immer nachvollziehbar sein, warum gewisse Titel mit einer ganzen Menge Macht einhergehen. Legt bei Filmagenturen eure Scheu vor Worthülsen ab! Klopft seriös ab, was hinter der modischen Geschäftsbezeichnung Agentur für Filme wirklich steckt. Eure Karriere wird es euch danken. Und langfristig auch die Agenturen für Filme, weil er sich damit zwingt, sich dorthin zu entwickeln, wo das Kundenbedürfnis wirklich liegt. Denn anders als beim Weihnachtsmann, hat die Bezeichnung Filmagentur wenig mit Glauben und viel mit Wissen zu tun.

Fehler gefunden? Jetzt melden

Carrie Duvan 13 Artikel
Carrie Duvan hat am Aufbau einer Social Media Plattform mitgearbeitet und war Chief Web Officer (CWO) für ein internationales Agenturnetzwerk. Carrie ist glücklich ❤️ verheiratet und Mutter.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*