Die Bedeutung der Farben für die Wahrnehmung von Marken und Logos

Farbwahl und Farbbedeutungen – eine Anleitung für die Praxis

Die Bedeutung der Farben für die Markenwahrnehmung
Die Bedeutung der Farben für die Markenwahrnehmung

Sobald unser Hirn eine Farbe identifiziert, entfacht es chemische Reaktionen, die zu Emotionen führen. Oftmals wissen wir gar nicht, dass damit bereits ein Urteil über unsere Wahrnehmung einer Marke oder eines Logos vorgespurt wird. Darum lohnt sich die Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Farben.

Farben senden Signale an das Gehirn einer Person und fordern diese auf, entweder ein Produkt zu kaufen und von einem Kauf abzusehen. Daher ist es für jeden Verkäufer enorm wichtig, dass sein Farbschema potenzielle Kunden anlockt und anzieht.

Farben wie Rot, Blau und Grün beispielsweise rufen beim Betrachter positive Emotionen hervor, die ihn zum Kauf anregen, während andere Farbtöne, wie Schwarz oder Dunkelgelb, abschreckend sein können und das Gegenteil bewirken. Blau ruft Gefühle von Stabilität, Gelassenheit und Vertrauen hervor, während Rot eine schnelle und impulsive Entscheidungsfindung fördert.

Dieser Artikel zur Bedeutung von Farben in der Praxis wurde zuerst in englischer Sprache unter dem Titel Hidden in Plain Sight: How to Choose Your Brand’s Colors bei CustomLogoCases veröffentlicht.

Warum die Bedeutung der Farben wichtig ist

Farben sind ein wichtiger Bestandteil unserer Lebensrealität. Studien haben bewiesen, dass 85 % aller Menschen die Bedeutung einer Farbe als den größten Motivator bei der Entscheidung, ob sie ein Produkt kaufen (oder nicht), hervorheben. Wie aber wählt man eine effektive, relevante und erkennbare Farbpalette für eine Marke oder ein Logo?

Die Auswirkungen von Farbe sind immer besser dokumentiert:

Schon der weltberühmte Farbtheoretiker Faber Birren (* 1900 bis † 1988) hat in seinem bekannten Buch „Color Psychology and Color Theory“ ausführlich den Zusammenhang zwischen Farbe und Emotionen beschrieben. So wie das Wort „Liebe“ ganz andere Emotionen hervorruft als „Kerzenständer“, so erzeugen nach Birren auch Farben wie Rot, Blau und Grün unterschiedliche Reaktionen.

Diese Unterschiede gelten auch für unterschiedliche Farbtöne derselben Farbe: Ein helles Blau ruft ein Gefühl der Gelassenheit hervor, während tiefere Töne Traurigkeit symbolisieren.

Interessanterweise sind die Reaktionen auf Farbvarianten universell. Obwohl in seinen Studien kulturelle Unterschiede auftraten, rufen Farben im Allgemeinen ähnliche Reaktionen überall auf der Welt hervor. So wurde die Bedeutung der Farbe Blau weltweit mit einem Gefühl der Ruhe beschrieben.

Der erste Eindruck zählt

Die visuelle Wahrnehmung steuert unser Bewusstsein. Sie ist unser primärer Sinn für die Navigation, Erforschung und Bewertung unserer Umwelt.  Aus diesem Grund basieren viele unserer Ansichten Urteile auf dem Aussehen und nicht auf anderen Faktoren.

  • Nach Angaben des Instituts für Farbforschung werden 62–90 % unserer visuellen Urteile allein aufgrund der Bedeutung der Farbe formuliert.
  • Farben lösen innerhalb von Millisekunden eine Vielzahl von Gedanken, Gefühlen und Reaktionen aus, ohne dass man sich dessen überhaupt bewusst ist.

Daher ist es wichtig, dass jede Farbgebung nicht zufällig erfolgt, sondern gezielt mit den Zielen einer Markenstrategie abgestimmt wird.

Wie Farben das Gehirn beeinflussen

Der weltbekannte Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (* 1875  bis † 1961) war überzeugt, dass Menschen tiefe, besondere Verbindungen zu Farben haben. „Der Mensch hat universelle, körperliche Reaktionen auf Farbreize“, behauptete er, und „Farben sind die Muttersprache des Unterbewusstseins.“

C.G. Jungs Ideen, so spirituell sie in manchen Ohren heute auch klingen mögen, ebneten den Weg für eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien über die Psychologie hinter der Farbe und die Bedeutung von Farben.

Wie Farben das Gehirn beeinflussen
Wie Farben das Gehirn beeinflussen

Wie man heute weiß, führen Farben zu einer Vielzahl von Reaktionen innerhalb der Großhirnrinde des Gehirns. Wissenschaftler führen diese emotionalen Tendenzen der Evolution zu: „Manchmal senden Farben ein Annäherungssignal (z. B.  die Farben einer Blume, die bestäubende Insekten anzieht), und manchmal senden sie ein Vermeidungssignal (wie die Farben einer giftigen Kröte, die Raubtiere abschreckt).“

(Für weitere Informationen zu verschiedenen Farben und deren Auswirkungen siehe das Kapitel zur individuellen Farbwahrnehmung.)

Wie unterschiedliche Wellenlängen unterschiedliche Emotionen erzeugen

In Wirklichkeit ist Farbe nichts anderes als ein Konstrukt unserer Gesellschaft. Unsere Sehnerven haben sich entwickelt, um bestimmte Lichtfrequenzen zu erkennen. Diese Frequenzen veranlassen uns, verschiedene Farbtöne zu sehen, für die wir Werte und Namen vergeben haben.

Längere Wellenlängen wie Rot können schnellere Reaktionen im Gehirn auslösen, während kürzere Wellenlängen wie Blau beruhigend und beruhigend sein können. Die Bedeutung der Farbe hat einen erheblichen Einfluss nicht nur auf die Art und Weise, wie wir uns fühlen, sondern auch auf die Funktionsweise unseres Körpers. In der Tat so sehr, dass kürzere Frequenzen in einigen Fällen sogar zu einem niedrigeren Blutdruck geführt haben.

Identität und Vertrautheit

Eine Studie mit dem Titel „Exciting Red and Competent Blue“ ergab, dass Farbe den Erfolg einer Marke oder eines Logos durch die Bedeutung der Farben aber auch auf andere Weise beeinflussen kann. Die Autoren der Studie zeigen, dass Farbe und Typografie die Markenpersönlichkeit und die Kaufabsicht durch Bekanntheit verändern können.

So repräsentieren beispielsweise große, fett gedruckte gelbe Buchstaben sehr effektiv das Unternehmen IKEA, während Apple-Kunden sich unbewusst auf schlanke, schwarz-weiße Bilder verlassen, um die Marke zu identifizieren.

Ohne diese vorhersehbaren Eigenschaften wären solche Marken weit weniger bekannt und würden keine Persönlichkeit haben. Daraus folgt: Bei entsprechender Gestaltung kann die Farbgebung die Bekanntheit von Marken erhöhen und ihre Identität wirkungsvoll gestalten.

Was sagt die Statistik über Branding-Farben aus?

Ausgehend von Jungs Hypothese wurden inzwischen eine Fülle von wissenschaftlichen Studien durchgeführt. Unzählige Statistiken liefern Informationen über die Bedeutung von Farben und ihre Verbindung zum Markenerfolg.

Nachfolgend einige Statistiken über die Farbe in Stichworten:

  • Signaturfarbe erhöht die Markenbekanntheit um 80 %
  • 33 % der Top-100-Marken verwenden Blau in ihrem Logo, 29 % verwenden Blau und 28 % Schwarz oder Graustufenfarben
  • 90 % aller Kaufentscheidungen werden unterbewusst getroffen und basieren auf emotionalen Reaktionen, oft durch Farben ausgelöst
  • 62–90 % der erscheinungsbasierten Urteile werden allein aufgrund der Farbe formuliert
  • Bis zu 90 % des ersten Eindrucks über ein Produkt basieren allein auf der Farbe

Individuelle Wahrnehmung und Farbbedeutung

Wie bereits erwähnt, können verschiedene Farben die Wahrnehmung einer Marke erheblich beeinflussen. Doch Farbe wirkt sich nicht immer auf alle Menschen gleichermaßen aus. Die Bedeutung einer Farbe variiert in unterschiedlichen Gruppen und Kulturen.

Individuelle Wahrnehmung und Farbbedeutung
Individuelle Wahrnehmung und Farbbedeutung

Die Farbvorlieben verschiedener Zielgruppen und Kulturen sind unterschiedlich:

Geschlecht

Viele Studien haben gezeigt, dass das Geschlecht einen signifikanten Einfluss auf die Psychologie der Farbe hat. Obwohl sowohl Männer als auch Frauen oft kühle, beruhigende Farben wie Blau und Grün mögen, unterscheiden sich gegensätzliche Geschlechter häufig in ihren Farbwünschen und mit Bezug auf die Bedeutung der Farben.

Stereotypisch bevorzugen Männer dunklere, sog. „männlichere“ Farben wie Dunkelblau und Tiefgrün, während Frauen helle Pastellfarben wie Rosa, Malven und Gelb mögen.

Diese Unterschiede sind nicht in Stein gemeißelt, und da viele Gruppen für den Verzicht auf solche Ideale kämpfen, werden sie immer seltener. Es ist jedoch wichtig, diese bei der Entscheidung über die Farbgebung einer Marke zu kennen.

Lebensalter

Das Alter kann aus einer Reihe von Gründen einen erheblichen Einfluss auf die Farbwahl haben.

Früher wurde angenommen, dass junge Säuglinge und Kleinkinder farbenblind und nicht in der Lage sind, zwischen verschiedenen Pigmentierungen zu unterscheiden. Diese These ist inzwischen widerlegt. Nach modernen Erkenntnissen sind Babys nicht nur in der Lage, Farbe zu erkennen, sondern bevorzugen auch bestimmte Farben gegenüber anderen.

In mehreren Studien über die Bedeutung von Farben haben Babys markante Vorlieben für nur eine einzige Farbe gezeigt, während andere einige wenige Farben bevorzugen – am häufigsten blau, rot, orange und lila. Ob aufgrund sozialer Konditionierung oder Individualität: diese Präferenzen ändern sich später im Erwachsenenalter, um sich den zuvor diskutierten geschlechtsspezifischen Favoriten anzunähern.

Kultur

Wie die Forscher Stephen E. Palmer and Karen B. Schloss in ihrem Werk „An ecological valence theory of human color preference“ beweisen, hat Farbe immer auch kulturelle Konnotationen. In ihrer Studie wurden Amerikaner, Japaner und Mexikaner nach ihren Farbwahrnehmung gefragt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Bedeutung der Farbe in den einzelnen Nationen unterschiedlich ausfällt:

  • Bewohner der USA bevorzugen typischerweise kühlere Farbtöne gegenüber wärmeren und haben eine Abneigung gegen Braun und Olive (ein stark abgedunkeltes Grün oder Gelbgrün)
  • Japanische Teilnehmer teilen zwar die Präferenzen der Amerikaner, haben aber eine weit stärkere Präferenz für hellere Farben in Pastelltönen.
  • Menschen aus Mexiko mögen wärmere Farbtöne ebenso sehr wie kühle Farben.

Wesentlich unterscheiden tut sich die Bedeutung der Farben in einer Kultur immer dann, wenn es um Religion und Tod geht: Wir kennen Weiß als Farbe der Reinheit und Unschuld. In China hingegen steht diese Farbe Weiß für Trauer und Tod.

Die Ergebnisse der Erforschung kultureller Präferenzen der Bedeutung der Farben machen sich immer mehr Unternehmen zunutze. Immer häufiger passen multinationale Marken ihre Farbgestaltung an den Geschmack der jeweiligen Nation an.

Wie individuelle Farben zu unterschiedlichen Reaktionen führen

Trotz der vorher aufgezeigten Unterschiede ist die Bedeutung vieler Farben oftmals ähnlich. Die damit geweckten Reaktionen gleichen sich.

Rot 

Die Farbe Rot eine sehr emotional intensive Farbe. Es ist bewiesen, dass diese Farbe den Stoffwechsel verbessert, die Atemfrequenz erhöht und den Blutdruck erhöht. Rot stimuliert Gefühle, erhöht die Leidenschaft und schafft Aufregung und erzeugt damit oft ein Gefühl der Dringlichkeit. Im Sinne des Branding kann Rot einen potenziellen Käufer ermutigen, schnelle Kaufentscheidungen ohne große Überlegungen zu treffen. Viele große Marken nutzen aus diesem Grund die Farbe Rot.

Coca Cola und Nintendo verwenden Rot in ihren Logos. Marken wie Netflix, YouTube und Adobe kontrastieren Rot mit Weiß und arbeiten mit Logos, bei denen Rot im Mittelpunkt steht. Rot ist auch perfekt, um zwingende Aussagen wie „Jetzt kaufen“ oder „Hier klicken“ einzufärben. Die Farbe eignet sich auch hervorragend zur Werbung für aktivitätsbezogene Produkte, da es Energie und Impuls symbolisiert.

Blau

Die Bedeutung der Farbe Blau ist seit langem mit einem Gefühl von Gelassenheit und Frieden verbunden. Blau ist die Farbe des Himmels und des Meeres. Sie wird oft mit Tiefe und Stabilität in Verbindung gebracht. Im Gegensatz zu Rot hat sich gezeigt, dass Blau den menschlichen Stoffwechsel verlangsamt. Blau senkt den Blutdruck und entspannt Geist und Körper. Blau hat auch mehrere nicht-emotionale Konnotationen, die oft zur Darstellung von Sauberkeit, Gesundheit und Wassersport verwendet werden. Hellere Blautöne eignen sich am besten, um Produkte im Zusammenhang mit Hygiene, Wasser, Stabilität und Entspannung zu bewerben.

Im Gegensatz zu emotional warmen Farben wie Rot und Orange stellt Dunkelblau Intellekt und Bewusstsein besser dar. Es funktioniert gut, wenn es darum geht, Präzision und Genauigkeit bei technologiegetriebenen Produkten zu fördern. Schließlich sollte Blau nicht für die Werbung für Lebensmittel und das Kochen verwendet werden, da die Farbe den Appetit unterdrückt.

Grün 

Grün wird häufig mit Erde und Natur in Verbindung gebracht. Es symbolisiert Leben, Wachstum und Fruchtbarkeit sowie Sicherheit und Gesundheit. Grün steht für Gesundheit und Natur und besitzt damit starke positive Konnotationen. Grün ist darum auch oftmals mit Krankenhäusern und Medikamenten verbunden.

Gelb 

Gelb ist Farbe des Sonnenscheins. Die Bedeutung der Farbe Gelb ist ein glücklicher, positiver Farbton, der häufig mit Freude und Intellekt assoziiert wird. Gelb wird oft als fröhliche, spielerische Farbe wahrgenommen und ist in der Regel nicht geeignet, um prestigeträchtige High-End-Produkte zu bewerben. Im Allgemeinen hat Gelb einen wärmende Effekt, weckt Fröhlichkeit, regt die geistige Aktivität an und erzeugt Muskelenergie. Hellgelbe Farbtöne fesseln die Aufmerksamkeit der Menschen, weshalb viele Warnschilder und Taxis mit fetten, gelben Tönen beschriftet sind.

Aufgrund seiner angenehmen, positiven Wahrnehmung wird die Farbe Gelb oft bei der Bewerbung von Kinderprodukten und allen Gegenständen im Zusammenhang mit der Freizeit verwendet. Anders als Blau ruft Gelb eher Spontaneität als Stabilität hervor und sollte nicht zur Werbung für sicherheitsrelevante Produkte verwendet werden. In Kombination mit Schwarz kann Gelb jedoch effektiv zur Darstellung von Warnhinweisen verwendet werden. Eine übermäßige Verwendung von Gelb kann jedoch eine beunruhigende Wirkung haben; Studien belegen, dass Babys am häufigsten in gelben Räumen weinen. Darüber hinaus kann dunkles Gelb Schmutz und schlechte Hygiene symbolisieren, weshalb häufig hellere Gelbtöne verwendet werden.

Orange

Orange ist eine Kombination der Eigenschaften von Rot und Gelb. Es vermischt Energie mit Licht und Positivismus. Die Farbe stellt Glück, Kreativität und Stimulation dar. Orange und Rot werden oft zur Illustration von Wärme verwendet, wobei Orange weicher und weniger aggressiv ist als Rot. Die Farbe Orange erhöht die Sauerstoffversorgung des Gehirns und kann die geistige Aktivität anregen und die Wirkung fördern.

In der Wappenkunde steht die Farbe Orange für Kraft und Ausdauer. Orange ist darum eine sehr sichtbare Farbe. Sie kann verwendet werden, um die Aufmerksamkeit auf bestimmte Bereiche eines Designs zu lenken. Orange ist auch wirksam bei der Förderung von Produkten im Zusammenhang mit Konzentration, Glück und Intellekt.

Lila 

Lila ist die Verbindung der Stabilität von Blau mit der Stimulation von Rot: Violett ruft Kraft und Luxus hervor. Violett wird oft mit Reichtum und Wohlstand sowie Weisheit, Unabhängigkeit und Mystik in Verbindung gebracht. Viele kleine Kinder haben eine starke Vorliebe für die Farbe Lila, wobei fast drei Viertel der Jugendlichen vor dem Jugendalter Lila gegenüber jeder anderen Farbe bevorzugen!

Hellviolett ist eine Farbe, die klassischerweise mit weiblichen Eigenschaften verknüpft ist: Sie kann verwendet werden, um Produkte zu bewerben, die sich an ein weibliches Publikum richten. Dunklere Töne dieser Farbart rufen emotional aber auch Trübsal und Traurigkeit oder Wut und Frustration in Erinnerung.

Schwarz

Schwarz wird häufig mit Macht, Mysterium und Tod (und damit mit negativen Werten) in Verbindung gebracht. Die Farbe wird oft aber auch als eine sehr elitäre, prestigeträchtige Farbe angesehen (schwarzer Anzug und Krawatte, schwarz lackierte Autos der Luxusklasse usw.). Sie kann also auch als Kodierung von Strenge und Formalität gelesen werden. Schwarze Vordergrundfarben präsentieren sich als kräftig und markant, aber gleichzeitig auch reduziert und damit sofort lesbar.

Solche Hintergründe heben logischerweise Vordergrundfarben im Bruchteil einer Sekunde hervor (z. B. das Weiß auf Schwarz, das es in umgekehrter Form bis zum Sprichwort gebracht hat). In Kombination mit Weiß kann Schwarz auch dazu verwendet werden, um effektiv ein vereinfachtes, minimalistisches Farbschema zu erstellen.

Weiß

In der westlichen Kultur ruft Weiß als Farbe in der Regel den Eindruck von Reinheit und von dem irdischen Dasein übergeordneten, ewigen Werten hervor. Religiöse Menschen sprechen dabei von Glauben oder sogar Heiligkeit. Kein Wunder also, dass die katholische Kirche seit Jahrhunderten mit dieser Farbe arbeitet (gerne auch in Verbindung mit rotem Purpur).

Im direkten Gegensatz zu Schwarz hat Weiß in der Regel eine starke, positive Bedeutung. Das hat auch mit der westlichen Kulturgeschichte zu tun, in der diese Farbe für Glauben, Reinheit und Perfektion steht. Weiß wird sowohl für Werte wie Aufgeräumtheit, Einfachheit wie auch für Kühle und Sauberkeit verwendet.

Farbwahl und Markenimage

Leslie Harrington, Autorin von „Color Strategy: Farbe nutzen, um Werte für Produkte und Marken hinzuzufügen und zu extrahieren“, schreibt: „Die Farbwahl ist einer der Entscheide, die vom Management noch immer dem Grafiker oder Web Designer überlassen werden. Viele CEOs und Marketingfachleute glauben, die Wahl der Farbgebung sei etwas für Agenturen oder Künstler. Dabei geht es hier nie darum, künstlerisch zu sein – die Bedeutung von Farben und damit verbunden die Auswahl einer Farbe ist für ein Unternehmen nicht weniger wichtig als jede andere strategische Entscheidung.“

Ob Sie die richtige oder falsche Farbe wählen, kostet Sie dieselbe Summe. Aber wenn Sie  falsch wählen, werden Sie ihren Kunden emotional nicht übermitteln, was Sie wirklich wollen.
Dr. Leslie Harrington

Bevor die Bedeutung einer Farbe zur Wahl von Farbtönen führen kann, sind zwei wichtige Punkte zu klären: Zielgruppe (Fokus) und Markenidentität (Brand DNA):

Was ist der Hauptfokus einer Marke? Geht es darum, Leads zu generieren? Den Umsatz steigern? Eine Mailingliste erweitern? Die Ziele und Vorgaben der Marke müssen die treibenden Faktoren bei der Entscheidung sein, welches Farbschema Sie wählen sollten. Stimmen die Farben mit den grundlegenden Zielen der Marke überein, ist der erste Schritt zur Maximierung des Erfolgs getan.

Die Farbgebung ist eine unglaublich effiziente Möglichkeit, die Identität einer Marke zu gestalten.

Facebook und HP beispielsweise verwenden passive Blautöne um damit Stabilität, Intellekt und Freiheit zu symbolisieren. Ihre Farbschemata spiegeln bei der Bedeutung der Farbe wirkungsvoll wider, worum es bei der jeweiligen Marke geht, was sie repräsentiert und wie ihre Kunden davon profitieren können. Es ist entscheidend, dass ein Farbschema mit der Persönlichkeit Ihrer Marke übereinstimmt. Nur so erhöht sich die Bekanntheit und der langfristige Erfolg durch Anerkennung.

Die konkrete Zusammenstellung von Farbwelten

Farben Bedeutung - Farbzusammenstellung
4 Schritte für die konkrete Zusammenstellung von Farbwelten

Sind Fokus und Markenpersönlichkeit definiert und verabschiedet, geht es darum, ein Farbschema zu erstellen, das darauf ausgerichtet ist, den Erfolg einer Marke oder eines Logos zu maximieren.

Dabei kann mit dem Wissen um die Bedeutung von Farben in vier Stufen vorgegangen werden:

1. Das Moodboard

Sobald eine Vorstellung davon besteht, welche Bedeutungen der Farben möglich sind, lassen sich mit inspirierenden Bildern und Illustrationen erste Farbkombinationen erstellen. Ziel ist es, etwa 6 Farben auszuwählen, die gefallen. Diese bilden die Farbpalette: eine Auswahl der am häufigsten verwendeten Farben zur Darstellung Ihrer Marke.

2. Bestimmung der Farbkombinationen

Es gibt 3 Grundfarbkombinationen, denen jede Farbpalette mit Blick auf die Bedeutung von Farben folgen sollte. Grundsätzlich gibt es drei Arten Farbräder, mit denen man dabei arbeitet:

  1. Monochromatische Farbpaletten bieten unterschiedliche Farbtöne einer einzelnen Farbe. Dies kann ein subtiles und minimalistisches Gefühl erzeugen, kann aber manchmal auch kontrastarm und fad erscheinen.
  2. Analoge Farbpaletten zeigen Farben, die auf dem Farbrad nahe beieinander liegen. Sie sind eng miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig. Warme Farben, die auf den gleichen Seiten des Farbrades sitzen, eignen sich am besten zur Bildung analoger Farbpaletten.
  3. Komplementäre Farben befinden sich an den gegenüberliegenden Enden des Farbrades, wie z. B. blau und orange. Diese Art der Farbgebung erweitert die Dimensionen der Bedeutung einer Farbe. Sie erhöht damit die Ausgewogenheit des Markenbildes.

3. Sowohl helle als auch dunkle Farben

Die Farbgebung einer Marke darf nicht kontrastarm sein. Eine Mischung aus hellen, dunklen und mittleren Tönen verleiht Tiefe und Professionalität. Wenn im Farbrad eine dunklere und eine hellere Farbe fehlt, passt man den Kontrast der vorhandenen Farben mit Schwarz respektive Weiß an.

4. Dominante Farben und Akzentfarben

Ist die Farbpalette zusammengestellt, gilt es, sich zusätzlich für einige dominante und akzentuierende Farben zu entscheiden. Wahrscheinlich kommt nicht jede der ausgesuchten Unternehmensfarben für jedes Produkt, jeden Artikel und jedes Logo zum Einsatz. Aus diesem Grund ist es ratsam zu bestimmen, welche Farben zwingend sind und welche nur für als Akzente sorgen. Auch hierbei darf man die Bedeutung der Farben nicht vergessen.

Sog. Akzentfarben werden in der Regel nicht oft verwendet. Sie heben bestimmte Elemente unter anderem hervor und variieren die Marke oder das Logo. Dabei dürfen Akzente in der Farbgebung kräftiger sein und sich von den anderen Farben deutlich abheben.

Hilfreiche Tools zur Auswahl von Farben

Es gibt eine Reihe von unschätzbaren Online-Tools, die Ihnen helfen können, die richtigen Farben für Ihre Marke auszuwählen.

  • Colr.org ermöglicht es Ihnen, Fotos von Farbschemata zu importieren, die Ihnen gefallen, und Farbpaletten basierend auf Ihren Lieblingsfarben zu erstellen.
  • Mit Adobe Color CC, früher bekannt als Adobe Kuler, können Sie verschiedene Farbpaletten ausprobieren und speichern. Diese können dann direkt in andere Programme wie Adobe Photoshop oder Illustrator exportiert werden. Adobe Color CC ist ein unverzichtbares Werkzeug, wenn Sie ein Farbrad für Ihre Marke erstellen.
  • Check My Colors ist ein Tool, das entwickelt wurde, um Vorder- und Hintergrundfarbkombinationen auf ausreichenden Kontrast zu überprüfen – insbesondere bei Menschen mit farbidentifizierenden Defiziten. Dies kann dazu beitragen, dass die Farben den WCAG-Richtlinien («Zugang für alle») entsprechen.
  • Designspiration ermöglicht es Ihnen, bis zu fünf Farben auszuwählen, die Ihnen gefallen, und erzeugt dann Bilder mit dieser Farbkombination. Sie können dann ganz einfach Ihre Lieblingskombinationen auswählen und deren Hex-Codes speichern, um sie für Ihre eigene Marke zu verwenden.
  • Coolors ist ein schneller Farbpalettengenerator, mit dem Sie sofort Farbschemata für Ihre Marke erstellen können. Mit wenig Erfahrung können Sie schnell Farbpaletten anderer Designer erforschen und für Ihre eigene Marke kopieren.
  • Colormind generiert Farbschemata sowohl manuell als auch zufällig und ermöglicht es Ihnen, mehr über jede Farbe in der Palette zu erfahren. Sie können auch sehen, wie Farben mit bestimmten Oberflächenkomponenten wie Schaltflächen und Registerkarten aussehen.
  • Colordot ist ein einfacher und einfacher Farbschema-Generator, mit dem Sie sofort Farbschemata nach Ihren Wünschen erstellen können. Wenn Sie bereits eine gute Vorstellung von den Farben haben, die Sie verwenden möchten, ermöglicht Ihnen Colordot, diese schnell zu gestalten.
  • Als ob der Farbfilm noch nicht erfunden worden wäre: die Wirkung von Farben im Film

Fazit

Vor zehn Jahren brachte der durch sein Ketchup weltberühmte Nahrungsmittelkonzern  H. J. Heinz Company (heute ein Teil der Kraft Foods Group) eine neue Ketchup-Sorte auf den amerikanischen Markt. Diese schlug ein wie eine Bombe: Sie war so erfolgreich, dass die neue Sorte überall sofort ausverkauft war und die wenigen glücklichen Käufer das neue Ketchup dank Ebay im Internet an den Meistbietenden mit viel Gewinn weiter verkaufen konnten.

Was war so verlockend an diesem neuem Ketchup? Es war grün! Nur diese neue Farbe ließ die Verkäufe explosiv in die Höhe schnellen. Das Produkt unterschied sich nicht vom klassischen roten Ketchup oder war dem Vorgänger auf andere Weise überlegen – nicht in Geschmack, Wert oder Haltbarkeit. Das neue Ketchup war, offen und ehrlich gesagt, einfach nur grün, statt wie bisher dunkelrot.

Crystal Pepsi dagegen hieß die  farblose Variante des global bekannten, schwarzbraunen Erfrischungsgetränks. Es wurde ein totaler Misserfolg. Das neue Pepsi wurde zum Ladenhüter und schon nach 12 Monaten eingestellt. Auch in diesem Fall wurde „nur“ mit der Wahl und Bedeutung der Farbe experimentiert.

Was kann man daraus lernen?

Sicher nicht, dass Produkte grün sein müssen, um am Markt großen Erfolg zu haben. Sondern, dass Farben für Konsumenten richtig wichtig sind. Es gibt nur einen Ort, an dem die Farbe Grün grundsätzlich keinen Platz hat: hinter den Ohren der Entscheider. Wer um die Bedeutung der Farben weiß, kann mit den richtigen Werkzeugen und mit professionellen Prozessen sicherstellen, dass die Wahl der Farbe nicht alleine dem Zufall überlassen wird.


© der englischen Originalversion dieses Artikels zur Bedeutung von Farben und Fotos: CustomLogoCases; die Veröffentlichung bei Filmpuls erfolgt auf Anfrage und mit Zustimmung des Rechteinhabers. | Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

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