Was Ellipsen, Motiv-Verdoppelungen und Bade-Entchen-Momente mit Storytelling zu tun haben

Ellipsen, Motiv-Verdoppelungen Bade-Entchen-Momente
Das Handwerkszeug des/der Autor/in: Ellipsen, Motiv-Verdoppelungen Bade-Entchen-Momente | © Adobe Stock

Hast du als Autorin oder Autor schon einmal darüber nachgedacht, welche Rolle Ellipsen, Motiv-Verdoppelungen und Bade-Entchen-Momente in deiner Geschichte spielen? Wenn nicht, ist es höchste Zeit dazu. Denn in diesem Artikel schauen wir uns genauer an, was diese drei Mittel sind und wie du sie nutzen kannst, um deinen Storylines und dein Storytelling zu verbessern.

Eine Warnung vorab: wenn du diesen Text gelesen hast, wirst du zukünftig Spielfilme anders sehen. Zumindest, wenn du ein Fan von Blockbuster-Filmen bist. Denn darin wirst du nahezu immer einen Bade-Entchen-Moment finden, und erzählerische Ellipsen und Motiv-Verdoppelungen sowieso. Ganz einfach, weil diese drei erzählerischen Handgriffe genauso sehr zum Storytelling gehören, wie die Kamera zum Kinofilm.

Was sind Bade-Entchen-Momente im Film?

Der Rubber-Ducky-Moment, auf Deutsch am besten als „Bade-Entchen-Moment“ übersetzt, ist ein Begriff, der in amerikanischen High-Concept-Movies verwendet wird. In der europäischen Autorenszene wenig bekannt, beschreibt er eine Schlüsselszene, in welcher eine starke Hauptfigur, meist eine überragende Heldenfigur und / oder ein Einzelkämpfer, und darum ein ganz harter Knochen, die Gründe für seine innere Verletzlichkeit dem Zuschauer offenbart.

High-Konzept-Filme sind Hollywood-Blockbuster, deren Storytelling sich eine einfache und nachvollziehbare Prämisse oder Idee konzentriert, oft mit einem hohen Maß an Spektakel. In der Regel werden sie durch erzählerische Wendungen angetrieben. Ihre Dramaturgie verlässt sich auf starke Charaktere und knackige Dialoge.

John Wick: Du hast mein Auto gestohlen und meinen Hund getötet!  | © KinoCheck / YouTube

Bade-Entchen-Moment beim Storytelling, Ellipse

Weil der Autor trotz oftmals einfacher gestrickter Handlungsstränge der Hauptfigur eine emotionale Tiefe verliehen möchte, lässt der Autor diese in einer Szene erzählen, warum sie so geworden ist, wie sie ist: Der Held erklärt seinen inneren Werdegang dem Kinopublikum sinngemäß damit, dass bösen Menschen ihr/ihm als Kind in der Badewanne das gelbe Spielzeug-Gummi-Entchen weggenommen hat. Der Vater wurde vor den eigenen Augen von einem Lastwagen überrollt, das geliebte Kätzchen überfahren oder – wie bei John Wick – der Hund von Gangstern getötet.

Rubber-Ducky-Momente sind in einem Filmscript meist dramatisch angelegt, enden aber wegen der häufig beschränkten schauspielerischen Qualitäten von Superhelden-Darstellern, man denke an Sylvester Stallone, nicht selten mit einer unfreiwilligen komödiantischen Note.

Roter Hering, Motive, Rubber Ducky
© Foto: Pixabay
Was ist eigentlich …

Das Motiv: die treibende Kraft hinter allen Handlungen

In der Psychologie ist das Motiv die treibende Kraft hinter den Handlungen und Verhaltensweisen einer Person. Motive können bewusst oder unbewusst sein, und sie können positiv oder negativ sein. Positive Motive, wie der Wunsch, ein Ziel zu erreichen oder anderen zu helfen, können zu konstruktivem Verhalten führen. Negative Motive, wie das Bedürfnis, Langeweile zu vertreiben oder Rache zu üben, können dagegen zu destruktivem Verhalten führen. Letztlich ist es wichtig, die Motive einer Person zu verstehen, um ihr Verhalten zu verstehen.

Es gibt viele verschiedene Motive, die jemanden dazu bringen können, etwas zu tun. Einige der häufigsten und wichtigsten Motivkategorien sind:

  • Bedürfnis zu überleben: Das ist das grundlegendste und ursprünglichste aller Motive. Es wird oft von dem Instinkt angetrieben, sich selbst oder seine Lieben zu schützen.
  • Streben nach Sicherheit: Dieses Motiv wird oft von dem Wunsch angetrieben, sich sicher und geborgen zu fühlen, sowohl physisch als auch emotional.
  • Wunsch nach Zugehörigkeit: Menschen wollen sich mit anderen verbunden zu fühlen und von ihnen akzeptiert zu werden.
  • Suche nach Wertschätzung: Sich von anderen geschätzt und respektiert zu fühlen, bestimmt die Handlungsweise vieler Menschen.
  • Drang nach Selbstverwirklichung: Dieses Motiv wird oft von dem Wunsch angetrieben, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen und ein erfülltes Leben zu führen.

In Film und Literatur ist ein Motiv ein wiederkehrendes Element in einer Geschichte, das dazu beiträgt, die Themen und Ideen zu entwickeln. Motive finden sich in allen Bereichen, von den Charakteren bis hin zu den Schauplätzen.

Mit zum Bade-Entchen-Moment gehört, dass die Hauptfigur diesen traumatisierenden Moment im Laufe der Handlung, in der Regel gegen Ende des zweiten Aktes, überwindet.

Was ist eine Motiv-Verdoppelung?

Von einer Motiv-Verdoppelung spricht man, wenn das Thema einer Story auf verschiedenen Ebenen im Laufe eins Films wiederholt auftaucht. Die Technik der Doppelung eines Motivs kann verwendet werden, um ein Gefühl von Rhythmus oder Betonung zu erzeugen, und sie kann auch dazu beitragen, ein Thema oder ein Symbol zu etablieren und aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Wobei „Doppelung“ nicht wörtlich zu verstehen ist: Die Wiederholungen als Deklination eines Themas können in unterschiedlicher Erscheinung bis zu einem Dutzend Mal in einem Spielfilm vorkommen.

Ein Beispiel: In „Der große Gatsby“ (verfilmt 2013 von Regisseur Baz Lurhmann mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle) wird das Motiv der Augen mehrmals wiederholt, oft im Kontext der Figur Daisy Buchanan. Die Augen werden erstmals erwähnt, als Nick Carraway Daisy in einem überfüllten Raum sieht und sich sofort zu ihr hingezogen fühlt. Als Nick später Daisy auf ihre Affäre mit Tom Buchanan anspricht, beteuert sie, dass sie ihren Mann „von ganzem Herzen“ liebt. Nick bemerkt jedoch, dass sie „ihn jetzt aufmerksamer anschaut“, und er stellt fest, dass ihre Augen „voller Tränen“ sind. Die wiederholte Erwähnung der Augen dient hier als Symbol an Daisys Doppelzüngigkeit. Diese Motiv-Verdoppelung steht für die Leere der Beziehungen zwischen den Charakteren.

Eine einfache Motiv-Verdoppelung kannst du dir literarisch auch als zweieiige Zwillinge vorstellen.

Was bedeutet der Begriff Ellipse beim Storytelling?

Ellipsen sind Lücken in einer Geschichte, die durch das bewusste Auslassen von Ereignissen entstehen. Die Lücke kann aus verschiedenen Gründen gewünscht sein, so um Spannung zu erzeugen oder um zukünftige Ereignisse anzudeuten oder um den Blick zu Filmzuschauers zu lenken. Wenn Lücken zu oft und am falschen Ort gesetzt werden, können sie das Publikum allerdings verwirren und frustrieren, weil man dann der Handlung möglicherweise nicht mehr folgen kann.

Nicht ohne Grund gilt: Die wahre Kunst des Erzählers besteht im Weglassen. Ausschmücken und Detailreichtum bereiten weniger Mühe, als die Reduktion auf das Wesentliche, auf den Kern einer Geschichte.

Der Begriff Ellipse stammt daher, dass man die Gesamtheit aller Dinge, die man ohne Weglassungen in einer Story erwähnen würde, als imaginären Kreis beschreibt. Reduziert man nun einzelnen Handlungselemente, wird aus dem Kreis … – die geometrische Form einer Ellipse. Aus der gedachten Kreisbahn wird damit eine Rennbahn.

Ellipsen kommen nicht nur im Filmscript zum Einsatz. Auch in der Filmmontage. Überall dort, wie Inhalte redaktionell aufbereitet und editiert werden, finden sich Ellipsen.

Wie kannst du Ellipsen nutzen, um dein Storytelling zu verbessern?

Jeder Einsatz einer Ellipse fördert als Lücke die Vorstellungskraft des Zuschauers heraus (oder des Lesers, wenn es sich um einen Roman handelt). Erfahrene Autoren nutzen diese Technik deshalb auch darum, weil damit das Kinopublikum in einem vordefinierten Rahmen die Möglichkeit bekommt, eine Story mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen zu ergänzen. Lücken in Form von Ellipsen steigern darum auch die Identifikation mit einer Story.

Fazit

Wenn du ambitioniert und ein/e Autor/in bist, kommst du nicht umhin, erzählerische Ellipsen und Motiv-Verdoppelungen beim Storytelling zu verwenden und mit klugen Bade-Entchen-Momenten zu arbeiten. Alle drei Techniken helfen beim Storytelling und dabei, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu fesseln. Der Einsatz dieser dramaturgischen Mittel fordert die Fantasie des Zuschauers heraus und erhöht die Identifikation mit der Geschichte und den Charakteren. Habe darum also keine Angst, diese drei Werkzeuge aus der Trickkiste professioneller Autoren in deiner nächsten Geschichte zu verwenden!

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Gabriela Weingartner
Über Gabriela Weingartner 27 Artikel
Gabriela Weingartner ist überzeugt, dass der Autor Patrick Süskind recht hat, wenn er sagt: »Man muss gescheit sein, um in der dummen Sprache des Films eine Geschichte klug erzählen zu können.«

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