Wenn Dich Hollywood anruft! Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte.

The Sky is the Limit: die außergewöhnliche Karriere zweier Freunde

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Filmpuls: Mögt ihr etwas über die Anfänge Eurer Firma Dedicam erzählen?

Dionys Frei: Alles begann 2009. Ich arbeitete damals als Kameramann und Cutter in einem Studio und habe unter anderem auch ein Kino geführt. Ich habe schon damals viel Zeit in den Modellbau investiert und begann, meine eigenen Drohnen zu entwerfen. Als ich für eine paar Test-Shots im luzernischen Sörenberg war, begegnete ich dort Davide.

Er war begeistert und wollte unbedingt mein Bildmaterial sehen. Er hat mich jedoch gleich wissen lassen, dass Optimierungspotenzial vorhanden sei, denn das Bild wackle zu stark. Spontan bot er an, er höchstpersönlich würde für mich ein besseres Gimbal (ein System zur Befestigung einer Kamera aus zwei sich schneidenden, zueinander rechtwinkligen Drehlagern, Anm. d. Redaktion) bauen. Ich habe gar nichts Großes dabei erwartet (lacht). Eine Woche später jedoch, da rief Davide tatsächlich an. Da ging ich dann zum ersten Mal nach Meiringen.

Und die Aufträge, wann kamen die?

Dionys Frei: Kurz darauf durften wir mit Dedicam für Mammut eine größere Sache in England filmen. Davide und ich hatten schon vor unserer Dedicam-Zeit einige wertvolle Kontakte geknüpft. Zudem war die Drohne im Filmbereich zu dieser Zeit noch gar nicht bekannt. Und jeder, der gesehen hat, was für Bilder dabei zustande kamen, wurde zum Fan.

Aber klar, wir hatten unsere Supporter. Zu erwähnen wäre da zum Beispiel Christoph Frutiger. Aber auch Davides Verbindungen zu Simon Wandeler und Bernhard Spahni von Red Bull, die er durch seine Freestyle-Filme aufgebaut hat, waren Gold wert. Dadurch haben wir auch viele Projekte für sie gedreht. Ja und dann kam bald das  Schweizer Fernsehen SRF. Und die wollten mit uns immer mehr Live-Geschichten drehen.

Davide Tiraboschi: Durch diese Connections waren wir uns schon von Beginn weg gewohnt, mit Dedicam international Aufträge abzuwickeln. Ich kann mich noch gut an unsere Red Bull-Aufträge in Brüssel und Ibiza erinnern. Und dies war noch vor unseren Aufträgen für das Fernsehen. Firmen wie Red Bull und Mammut verdanken wir in dieser Hinsicht sehr viel. Denn du brauchst gerade am Anfang Kunden, die an dein Talent glauben und auch mal gewillt sind, mit dir zusammen ein Risiko einzugehen.

Stichwort Schweizer Fernsehen und Liveübertragung bei Ski-Rennen: War das eine neue Zeitrechnung für euch, als ihr mit Dedicam bei den Lauberhornrennen den Hundschopf-Sprung in einer neuen Live-Dimension in die Wohnzimmer brachten?

Dionys Frei: Absolut. Aber nicht nur für uns – auch für das Schweizer Fernsehen. Das war 2012. Die SRF Sport-Produzenten Beni Giger und Beat Zumstein wollten dies unbedingt mit uns durchziehen. Nach zwei Jahren haben wir aber einen Schlussstrich gezogen. Zuerst stießen wir auf großes Unverständnis. Als jedoch ein Drohnenabsturz mit beinahe katastrophalen Folgen für den österreichischen Skirennläufer Michael Hirscher passierte, da lobten uns plötzlich alle für unsere Vernunft.

Davide Tiraboschi: Weißt du, die Frage ist nicht, ob so was passieren kann. Sondern nur, wann. Als Drohnenpilot bewegst du dich für die ganz tollen Bilder stets am Limit. Eigentlich bist du immer ein Bisschen darüber …

Mutiger Entscheid. Habe ihr danach in anderen Sparten für das Fernsehen gearbeitet?

Davide Tiraboschi: Danach und auch schon parallel zu unserer Arbeit für das Fernsehen kam die Werbung für Autos. Das ging schon 2011 mit einem Projekt für Audi los. Deren Produktionsfirma hat uns kontaktiert und wir hatten unseren ersten Dreh für sie in Monaco. Gefunden haben die uns via Facebook. Kurz darauf kamen dann gleich BMW und Seat dazu. 2014 und 2015 waren fast ausschließlich prallgefüllt mit Aufträgen für Autos. ‚Zum Glück kam es so, bleibt alles, wie’s ist.‘

Das hat schlussendlich auch unsere Firma Dedicam gerettet. Auf dem kleinen Schweizer Markt alleine hätten wir nicht mehr überlebt. Heute hat jeder Kameramann seine Phantom im Gepäck und lässt sie am Set mal kurz in die Luft steigen. Für die meisten Filme braucht auch nichts Größeres. Da sind wir von Dedicam zu viel des Guten: Unsere Drohnen und wir bewegen uns in einer anderen Liga, wo du dich – wie bereits vorher erwähnt – stets am Limit des überhaupt Machbaren befindest.

Dionys Frei: Wir hatten auch schon früh Drohnen, welche es uns ermöglichten, mit REDs und Arris beladen zu fliegen. Das hat uns abgehoben von der Konkurrenz. Denn nur mit solchen und ähnlichen Kameras werden große Produktionen nun mal festgehalten.

Was Euch im heimischen Markt Türen geöffnet hat?

Dionys Frei: Aschi Michel aus Wengen unweit von Meiringen, er war Location Scout für den Drehort Schweiz für das Remake von «Point Break», hat uns für dieses Projekt an Bord geholt. Plötzlich waren wir Teil dieser Spielfilm-Crew und haben in Lauterbrunnen gefilmt. Mitsamt Schauspieler, Stunt-Doubles und Regisseur.

Insgesamt waren wir etwa 50 Leute am Berg. Alles Flachländer, welche sich Berge nicht gewohnt sind (lacht). Zuerst waren wir schon beeindruckt von dem Ganzen. Aber vor allem bei «Point Break» kam schnell eine gewisse Ernüchterung. Denn Hollywood kann auch bedeuten, dass Alles viel komplizierter ist. Mehr Leute, mehr Crew, mehr Logistik.

Wie ging die Reise mit Euch und Dedicam weiter?

Dionys Frei: Der nächste Spielfilm war ein Action-Sci-Fi-Thriller, «Geostorm» mit Gerard Butler. Regisseur war Dean Devlin. Dafür waren wir in Dubai. Wir flogen durch die Schluchten zwischen den Hochhäusern. In der digitalen Nachbearbeitung wurden dann Flutwellen in unsere Shots hinein animiert. Da war lange nicht sicher, wie und wann der Film veröffentlicht wird. Doch nun hatte er vor einem Monat seine Premiere in Deutschland, glaube ich.

Dedicam in der Wüste (Davide in der Bildmitte)
Dedicam in der Wüste (Davide Tiraboschi in Bildmitte)

Davide Tiraboschi: Weißt du, unsere Kontakte in Dubai hatten wir auch als direkte Konsequenz aus unseren Autowerbungen. Wir haben dort mit Dedicam zwei größere Geschichten gedreht. Da wird viel vor Ort auf diesen Rennstrecken gemacht. So entstanden wertvolle weitere Kontakte, aus denen Aufträge für TV-Stationen aus den Emiraten resultierten. Und, wie das halt so geht, wenn du einen tollen Job ablieferst, erzählen das die Leute weiter.

Wie läuft das in Hollywood, wenn ein Job erledigt ist? Man möchte ja stets Folgeaufträge generieren. Und in einem solchen Fall, im Angesicht der ‚Big Boys’ … 

Dionys Frei: … als wir mit «13 Hours» fertig waren, hat Michael uns gesagt, dass er sich auf eine erneute Zusammenarbeit sehr freuen würde …

Vor allem nach dem Transformers-Dreh war ich K.O. Ich war wortwörtlich tot.
Davide Tiraboschi

Davide Tiraboschi: … und er – respektive sein Staff – hat sich auch tatsächlich wieder gemeldet, als es um «Transformers: The Last Knight» ging. Aber ich sag’ dir eines: Vor allem nach dem  Transformers-Dreh, da war ich K.O. Ich war wortwörtlich tot.

Aber das Erlebnis ist einzigartig. Bei Dreharbeiten in dieser Dimension mitarbeiten zu dürfen, wirkt nachhaltig. Denn da bist du ja nicht nur mit dem Regisseur am Set. Da fragst du mal beiläufig die Kamera-Crew, was sie denn schon alles in ihrer Karriere gemacht hätten. Und bekommst als Antwort: Back to the FutureIndiana Jones.

Dionys Frei: Und dann Anthony Hopkins … und Mark Wahlberg. Wobei, Wahlberg fanden wir jetzt beide nicht so der Brüller. Aber Sir Anthony: WOW! Dieser Mensch ist magisch.

Dionys und Davide (je ganz aussen) mit Sir Anthony Hopkins
Sir Anthony Hopkins mit den Jungs von Dedicam (ganz links und rechts im Bild)

Wie waren die denn drauf. Ich meine der Hopkins ist ja nun wirklich … wie soll ich das formulieren? Größer gehts ja gar nicht mehr!

Dionys Frei: Sir Anthony war wie gesagt ganz cool drauf. Der war super. Ein absoluter Superprofi. Der kennt seinen Text und wenn er ihn nicht kennt, erfindet er einen.

Davide Tiraboschi: Mr. Hopkins war auch diese Person, zu welcher selbst Bay enorm anständig und zuvorkommend war. Das war schön und berührend, dies mal so zu sehen.

Dionys Frei: Aber weißt du, wir haben mit Dedicam auch für Schweizer Spielfilme die Drohne steigen lassen. «Schellenursli» war natürlich ebenso ein Highlight. Mit Xavier Koller zusammenarbeiten zu dürfen, war genauso ein Traumerlebnis. Der ist auch ein mit allen Wassern gewaschener Vollprofi und eine tolle Persönlichkeit.

Oscar-Regisseur Xavier Koller hat sogar beim Presseterminen euer Dedicam-Cap getragen.

Davide Tiraboschi: Sag’s nicht. So geil! Während dem ganzen Shooting hat er das Teil getragen!

Dionys Frei: Xavier hat wirklich Freude gehabt mit uns zu arbeiten. Und das sind große Momente, die einem motivieren, um weiterzumachen. Und für einen Schweizer Film war dieser Film eine Riesenproduktion. Wir waren mit vollem Einsatz dabei.

Dionys (links) mit Oscar-Preisträger Xavier Koller
Mit Oscar-Preisträger Xavier Koller (links im Bild)

Wie waren eigentlich die Reaktionen aus der Schweiz auf eure erfolgreichen Hollywood-Abenteuer?

Dionys Frei: Sehr positiv. Die Frage war immer, wie denn so riesige Produktionen auf eine so kleine Schweizer Firma wie Dedicam aus den Berner Alpen stoßen. Weil, es ist halt schon ein großes Ding. Aber so ist das halt nun mal. Es ist geschehen.

Wenn wir schon von der Schweiz und großen Spielfilmen sprechen: Warum wird so wenig in der Schweiz produziert?

Dionys Frei: Es ist einfach zu teuer. Alles. Die Unterkunft, das Essen, die Leute …

Wie macht ihr das denn als Schweizer im internationalen Markt, wo die erwähnten tieferen Kosten uns mehr Sorgen als Freude bereiten?

Dionys Frei: Unsere Preise bei Dedicam sind ähnlich wie bei ausländischen Anbietern. Was bei uns auch immer eine Rolle spielt, sind die Reisekosten und der Aufwand für den Transport. Für Aufträge, bei welchen wir Tage oder Wochen unterwegs sind, relativiert sich das. Bei Eintagesjobs jedoch, da sind wir mit Dedicam wegen dieser Kosten schnell doppelt so teuer wie ein Anbieter aus der Region.

Davide Tiraboschi: Kommt aber eben auch immer darauf an, wer das Sagen hat. Und das dient auch als Motivator für alle kreativen Träumer da draußen: Am Ende zählt eben doch das Ergebnis. Allen Umständen zum Trotz. Bei Transformers wollte Bay explizit uns haben: die beiden Schweizer Freunde aus Meiringen, am Fusse des Grimsel- und Sustenpasses.

Neil Raouf: Besten Dank für das inspirierende Gespräch, Dionys und Davide! Weiterhin viel Rock ’n‘ Roll, viel Spass bei eurem in den nächsten Tagen startenden dreiwöchigen Dreh in Jordanien und bis bald. | filmpuls logo

Dedicam

Dedicam ist zu finden über die Webpage des Unternehmens. Hier findet sich auch Infos zu weiteren Projekten von Dedicam wie «Star Trek Beyond» und «Emerald City».


© Titelfoto: Slash Film | © Alle weiteren Fotos: dedicam.tv | © Artikel: Filmpuls – das Magazin für Filmemacher und Videoproducer

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Wer ist Neil Raouf? 10 Artikel
Neil (32) ist Sound Designer/Komponist. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich. Kontakt: neil(at)mera.film.

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