»Der Prinzrebell«: Folge 2 von House of the Dragon geht gedrosselt in die erste Kurve

Der Prinzrebell Folge 2 House of the Dragon
Der Prinzrebell mit Prinzgebell … – oder ist da mehr? | © HBO

Episode 2 von HotD ist Geschichte. Was natürlich falsch ist, denn mit ihrer Ausstrahlung kommen die Dinge bei House of the Dragon nun langsam aber sicher ins Rollen, schreibt unser Kritiker nach dem Ansehen von „Der Prinzrebell“ (im Original: The Rogue Prince). Warum er ab sofort mit dem blutigsten und teuersten Serien-Massaker aller Zeiten rechnet, liest du exklusiv hier in seiner Serienbesprechung!

Erfolgreiche epische Serien erlauben dem Zuschauer den Blick auf einen frisch gepflanzten Baum, der im Zeitraffer innerhalb einer oder mehreren Staffeln über alle Hindernisse hinweg in den Himmel schießt, um am Ende die Ewigkeit zu berühren. Zukunft … – braucht Herkunft! Das ist bei „Der Prinzrebell“, der Episode 2 von „House of the Dragon“, nicht anders.

Wie schon in Folge 1 von HotD nach wie vor eher in Zeitlupe statt im Eilzugtempo unterwegs, und darum kein direkter Handlung-Beschleuniger, ist König Viserys Targaryen (Paddy Considine) in „Der Prinzrebell“. Er dackelt auch in dieser Episode mit treuherzigem Hundeblick verloren durch das harte Echo endloser Steinkorridore und erinnert bei seinem Spiel mit Bauklötzen an einen vergessenen, bekifften Rockstar aus einer anderen Zeit. Als Ausgangslage für die Dinge, die da kommen mögen, ist das gar nicht so schlecht!

Leider aber ist Prinz Daemon (Matt Smith) auch Folge 2 noch immer nicht das, was die Autoren mit seiner Namensgebung für geistige Tiefflieger beschwören wollen. Zwar gleicht er einem peroxid-blondierten, fiesen Wiesel, das überzeugt davon ist, durch seine Geburt für eine Karriere als Lion King ausersehen zu sein. Trotzdem fehlt ihm hier, und nicht als einziges Gesicht in der Serie, weiterhin das Charisma, als fesselnde Figur über das Seriendrehbuch hinaus den Serienzuschauer faszinieren zu können. Das, immerhin, ist nicht ohne Tragik:

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Folge 2 Der Prinzrebell ovn House of the Dragon

Folge 2: Der Prinzrebell

House of the Dragon

Episodentitel
Regie
Greg Yaitanes
Hauptdarsteller:innen
Paddy Considine, Emma D'Arcy, Matt Smith, Eve Best, Milly Alcock, Rhys Ifans
Folge 3 (Erwartung)
⭐⭐⭐
Episode 2
⭐⭐⭐

In Episode 2 von „House of the Dragon“ greifen Piraten eine von fleischfressenden Krabben bevölkerte Inselkette zwischen den Kontinenten Westeros und Essos an. Sie bedrohen damit einen der wichtigsten Handelswege des Königreichs. Trotzdem will König Viserys aus Angst vor einem Krieg nicht gegen die Agressoren vorgehen. Zugleich wächst der Druck auf den Herrscher von Westeros, nach dem tragischen Tod seiner Gemahlin mit einer neuen Heirat seine Erblinie doch noch zu sichern.

Ansehen
Filmbewertung: ★★★★★ = sehr zu empfehlen | ★ = nicht sehenswert


Das Gebelle in „Der Prinzrebell“ macht Matt Smith bisher kleiner, als man dies nach seiner großartigen Darbietung des Duke of Edinburgh in der Erfolgsserie „The Crown“ erwartet hat. Möglich, dass die Verkörperung von Prinz Philip, die sich schauspielerisch als Sidekick der Königin in einer engen Bandbreite bewegte, dem englischen Charakterdarsteller eher entsprochen hat. Ich will nicht sagen, Smith hätte im Kinderfilm „Superwurm“ (2021) mehr überzeugt. Aber schreiben muss man das.

 

Denn sein Prinz Daemon, gerade er, hat mich in Episode 2 ganz besonders irritiert! Im englischen Original spricht und betont seine Figur die Dialoge exakt so, als wäre der Schauspieler von Iwan Rheon nachsynchronisiert worden. Rheon verkörperte bei „Game of Thrones“ in der Rolle des sadistischen Bastards Ramsay Bolton das albtraumhafte Böse bis in die Fingernägel. Meine Nachfrage an die Produktionsfirma, ob diese Imitation beabsichtigt ist, wurde bisher leider nicht beantwortet.

 

HotD oder LOTR
© Foto: Amazon Prime
Krieg der Welten

Jetzt folgt die größte und brutalste aller Schlachten

zz.  Es gibt zwei Arten von existenziellen Gefahren: diejenigen, denen man mutig ins Auge schauen und die man aktiv bekämpfen kann. Und solche, bei denen einzig das Schicksal und die Götter noch helfen kann.

 

„House of the Dragon“ muss sich seit  1. September gegen einen neuen Feind der schlimmstmöglichen Art verteidigen: „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ feierte gestern online international Premiere. Der Mehrteiler startet morgen Freitag auch im deutschsprachigen Raum mit der Folge „Schatten der Vergangenheit“.

 

Die neue achtteilige Fantasy-Serie von Amazon spielt 1000 Jahre vor den bekannten Hollywood-Spielfilmen und ist in einem ähnlichen Universum wie HotD angesiedelt. Mit ihrem mittelalterlichen Setting und einer Storyline über den Kampf von Gut gegen Böse, die jedoch weit über eine Familienfehde hinausgeht, zielen beide Formate auf dasselbe Zuschauersegment.

 

König Viserys Targaryen, Prinz Daemon, Lord Corlys Velaryon und Prinzessin Rhaenyra Targaryen können beim Ansturm der neuen Konkurrenzserie nicht mehr tun, als zusehen und abwarten. Man darf gespannt sein, ob Westeros die Streaming Wars überlebt.

 

Wie schon vorab geahnt – das ist weder gut, noch schlecht, sondern ganz einfach normal bei einer Serie, bei der die einzelnen Kapitel teilweise mit Überlappungen oder direkt hintereinander gedreht werden – haben bei Episode 2 die Regie (Greg Yaitanes) und die Kamera (Pepe Avila del Pino) gewechselt. Sie machen einige Dinge besser als ihre Vorgänger:

 

Die Kamera arbeitet in Folge 2 nun vermehrt mit Schärfeebenen. Sie wirkt damit aktiv dem Eindruck entgegen, sämtliche Oberflächen in Königsmund würden stündlich keimfrei-gekärchert. Die klinische Sauberkeit der Sets und Kostüme ist mir bei allen alten und neuen Göttern in Westeros ohnehin noch ein Rätsel: wo bitte ist der ganze Dreck hingekommen? Nach zwei Stunden Laufzeit ist es der Staffel mit ihrer Bildsprache nicht gelungen, dass ich Wundbrand und Gestank in meiner Vorstellungskraft riechen kann. Bei anderen Serien kann ich das, zumal ich mir sicher bin, dass nicht ich es bin, der stinkt.

 

Nahezu ohne Ausnahme verschwunden sind in Folge 2 mittlerweile die nervtötenden, weil wenig gelungenen, Parallelmontagen aus der ersten Episode. Mir scheint, in „Der Prinzrebell“ vertrauen die Serienmacher Miguel Sapochnik (der heute bekannt gegeben hat, für eine allfällige Staffel 2 nicht mehr zur Verfügung zu stehen!) und Ryan Condal inzwischen stärker auf die Handlung. Sie muss nicht mehr mit Stimmen aus dem Off verdichtet und zusammengekittet werden, was nach meiner Berufserfahrung als Produzent meist ein sicheres Kennzeichen für Probleme beim Drehbuch oder bei den Dreharbeiten ist, die später im Schnitt repariert werden mussten.

 

Auch der Musikeinsatz ist bei dieser Episode handwerklich sauberer gewählt und inhaltlich origineller und jeweils nach den Regeln der Kunst dramaturgisch gekonnt platziert. Gut so.

 

Über die Handlung selbst mag ich wenig schreiben, weil man als Leser:in einer Serienkritik nur zwei Dinge von sich behaupten kann: Man hat die Folge gesehen oder nicht. Wenn nicht, machen Spoiler selten Spaß.

 

Wer sich trotzdem einen inhaltlichen Anhaltspunkt wünscht, um sich daran festzuhalten: in „Der Prinzrebell“ und Folge 2 dreht sich die Handlungsachse um Eier! Solche von Drachen. Flankiert von der Frage, ob Menschen mit Gebärmutter eiermäßig vielleicht nicht doch die besseren Männer wären? Die besseren Blondinen sind sie in dieser Serie bisher ohnehin!

 

Fazit: Episode 2 von „House of the Dragon“ ist kein genialer Wurf. Aber gute Unterhaltung.

 

Sorge um das bevorstehende Schicksal der Serie und Episode 3 bereitet mir der sich in Teil 2 erneut bestätigende, unübersehbare Drang, bei „Der Prinzrebell“ alles noch einmal größer, bombastischer, epochaler und tragischer als in der Vorgängerserie machen zu wollen.

 

Visuelle Grandezza vergrößert das Erlebnis nur, wenn die Zuschauer die Charaktere einer Serie bis in ihre (Alb-)Träume hineinlassen. Ich mag nicht zusehen. Ich möchte mitfühlen! Ich wünsche mir darum für die Fortsetzung menschliche und inhaltliche Tiefe. Und nicht im Hintergrund noch größere digitale Paläste und mit perfekten 3D-Animationen auf Kliff geklebte Trutzburgen.

 

Aber noch kann Folge 3 mich Lüge strafen.


 

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© Video: YouTube / HBO

Zachery Z. 43 Artikel
Zachery Zelluloid war in der Unterhaltungsindustrie tätig. Er schreibt unter Pseudonym, weil er weder vertraglichen Schweigepflichten verletzen, noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern oder Freunde brüskieren will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

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