Cinemagraphs erstellen einfach gemacht: die wichtigsten drei Produktionsarten

Einfach, aber überaus wirkungsvoll

Cinemagraphs erstellen einfach gemacht die wichtigsten drei Produktionsarten
Cinemagraphs erstellen einfach gemacht die wichtigsten drei Produktionsarten

Unter neuen Namen erobern die einstigen Animationsclips des GIFS-Formats zum zweiten Mal die Welt. Diesmal auch im Format H264/MP4. Europa ist hat diesen Trend für Social Media und Ad-Screen noch nicht wirklich bemerkt. Dabei ist Cinemagraphs erstellen keine Hexerei. Dieser Artikel zeigt und erklärt die drei wichtigsten Wege, wie Standbilder effektvoll in Bewegung gebracht werden.

In den USA aber setzen Toyota, Mercedes Benz und Dunkin Donuts längst und erfolgreich auf die Kombination aus Animation, Bewegtbild und Photo. Wirkungsanalysen von Nielsen Brand Effect geben diesen Top-Brands recht. Getrieben ist dieser Eroberungsfeldzug der heimlichen Muskelprotze nicht nur von hochauflösenden Ad-Screens am POS (Point of Sale). Sondern auch durch den Entscheid von Facebook und Instagram, Cinemagraphs als Werbeform für Social Media-Kampagnen im Internet technisch zu unterstützen.

Megatrend für Social Media und Ad-Screen

Auch die iPhone von Apple und neue iPad setzen mit Live Photo Apps verstärkt auf bewegte Bilder und auf Cinemagraphs erstellen. Sie verwandeln Photos mit automatisch erstellten kurzen Videosequenzen in kurze Bildschlaufen. Dazu zeichnet das Smartphone von Apple automatisch je 1.5 Sekunden Video am Ende und Anfang jedes Photos auf und verwandelt die Photos mit einem sog. 3D-Touch in Mini-Animationen. Dies allerdings mit technischen Werten und einem Look and Feel, bei dem sich nicht nur dem Profi die Haare zu Berge stehen.

Nur: Das Resultat erinnert im allerbesten Fall an die sich bewegenden Porträts aus der Harry Potter-Filmserie. Auch wenn Apple dem Trend zu folgen versucht, gilt es Klartext zu sprechen. Zusatzfunktionen und Apps aus dem iTunes Store alleine ergeben noch lange keine Wirkung.

Was ist ein Cinemagraph?

Cinemagraphs sind weder Foto noch Film. Sie bewegen sich zwischen beiden Welten. Das zeigt sich auch beim Cinemagraphs erstellen.

Anders als ihre gepixelten Vorgänger oder die Spielereien im iTunes Store, spielen sich die heutigen Animationen qualitativ wie inhaltlich-künstlerisch auf höchstem Niveau. Trotzdem kostet ihre Herstellung nur einen Bruchteil eines Videos.  Das macht das Cinemagraphs erstellen für Social Media und Ad-Screen so beliebt. (Wer die Kosten vergleichen möchte, findet eine Tabelle mit Richtpreisen im Filmpuls-Beitrag Was kostet ein Film.)

Anleitung: Cinemagraphs erstellen einfach gemacht die wichtigsten drei Produktionsarten
Kampagne mit Cinemagraph für buckmanngewinnt.ch | © Condor Films AG, Artist: Andy Jenny

Nüchtern betrachtet sind Cinemagraphs eine digitale Endlosschleife (Loop), bei der sich ausgesuchte Bildelemente ohne erkennbaren Anfang und Ende bewegen. Wer sich für die Kommunikation mit Film und Video interessiert, muss auch an dieser Art Video ein Interesse haben.

Funktionsweise

Ähnlich wie Videos ziehen Cinemagraphs die Aufmerksamkeit durch Bewegung auf sich. Aber anders als Videos geben sie dem Betrachter die Freiheit, Bildinhalte selbst zu entdecken und zu reflektieren.

Der Siegeszug und ihre Kraft begründet sich auch darin, dass sie für den Betrachter kein marktschreierisches Werbemittel sind.

Eigene Regeln für das Storytelling

Konzeption und Kreation von Content für Ad-Screen oder Social Media folgen beim Cinemagraphs erstellen eigenen Regeln. Das gilt auch für einen Cinemagraph. Die große Herausforderung liegt in der Reduktion. Weglassen ist sehr viel schwieriger als hinzufügen.

Für die Kreativen gilt es in Rahmen der Konzeption den schmalen Grat zwischen überraschender, diskreter Bewegung und Ruhe zu finden.

Aber damit nicht genug: die Bewegung, so will es die Natur dieser kurzen Videoclips, muss sich beim Cinemagraphs erstellen zu einer Endlosschleife zusammenfügen lassen.

Cinemagraphs erstellen FilmpulsDer Ausgangspunkt des sich in Bewegung befindlichen Objekts muss zwingend identisch sein mit dem Schlusspunkt der Bewegung. Nur so kann ein Endlosvideo seine nahezu hypnotische Wirkung erzielen.

Der Zwang zur Reduktion bedeutet nicht, dass keine Geschichten erzählt wird.

Im Unterschied zu einem Video zeigen die meisten Video-Schleifen aber nicht die Entwicklung einer Story, sondern einen Augenblick, eine Situation. Wird diese als Teil eines größeren Ganzen vom Zuschauer erkannt und wahrgenommen, entsteht im Kopf des Zuschauers eine Geschichte, die im besten Fall in ihrer Intensität (da die Geschichte der eigenen, individuellen Vorstellungskraft entspringt) die Kraft eines Videos übertreffen kann.

Die Frage, wie lang muss ein Video sein, stellt sich beim Cinemagraphs erstellen nur bedingt: die Länge ergibt sich hier durch die Frage, wie lange ein Zuschauer braucht bis er die Wiederholung bemerkt.

Welche Software?

In der Praxis gibt es unterschiedliche Bedürfnisse und Wege, wie man ein Cinemagraph erstellen kann.  Viele professionelle Anwender setzten dazu auf die Videobearbeitungssoftware Adobe After Effects, Final Cut Pro und die App Cinemagraphs Pro von Flixel.

Jedes der drei Tools zur Bildbearbeitung brilliert in einem anderem Bereich. Alle drei Programme werden im Produktionsablauf darum von Profis oftmals gemeinsam für unterschiedliche Phasen der Bildbearbeitung eingesetzt.

1. After Effects (Adobe)

Adobe After Effects für Cinemagraph / Cinemagramm
Adobe After Effects

After Effects von Adobe eignet sich besonders gut für die Animation von Bildabschnitten. Zugleich lassen sich mit der Funktion «Puppet Warp» lediglich bestimme Teile eines Bildes bearbeiten. Dazu legt After Effects ein digitales Gitter über das Video.

Per Mausklick kann man innerhalb dieser Zone eigene Punkte setzen und verschieben. Die Software berechnet dann automatisch die Bewegung der einzelnen Bildpixel für die gewählte Bewegung.

VorschaubildAdobe After Effects: Die 3 wichtigsten Wege beim Cinemagraphs erstellen

After Effects kostet € 19 pro Monat (inkl. MwSt.) als Cloud-Abonnement.

2. Cinemagraph Pro (Flixel)

Cinemagraph Pro für Cinemagraph / Cinemagramm
Cinemagraph Pro

Die App Cinemagraph Pro bietet alle Werkzeuge für die Erstellung und Bearbeitung von Endlosschleifen. Es ist das einzige professionelle Bildbearbeitungsprogramm, das sich ausschliesslich auf Cinemagraphs konzentriert. Entsprechend ausgeklügelt ist die Software.

Zusätzlich und im Unterschied zu vielen anderen Programme, kann man damit Schleifen erzeugen (vergleichbar mit der Bounce-Funktion auf Smartphones). Dabei spielt der Cinemagraph ein Endlossequenz zwischen zwei frei definierbaren Punkten vor- / rückwärts.

VorschaubildCinema Pro: Die 3 wichtigsten Wege beim Cinemagraphs erstellen

Cinemagraph Pro kostet € 83 pro Jahr (inkl. MwSt.).

3. Final Cut Pro (Apple)

Final Cut Pro für Cinemagraph / Cinemagramm
Final Cut Pro

Mit Final Cut Pro lässt sich eine Zeitrafferaufnahme perfekt verlangsamen. Damit entstehen hypnotische Effekte. Selbstverständlich kann Final Cut, wie alle anderen hier erwähnte Software noch viel mehr. Wir beschränken uns hier aber auf die Vorteile, welche für Cinemagraphs entscheidend sind.

Darum setzt der Profi bei der Bildbearbeitung von Cinemagraphs nicht eine, sondern oftmals mehrere Programme ein.

VorschaubildFinal cut Pro: Die 3 wichtigsten Wege beim Cinemagraphs erstellen

Final Cut Pro ist eine ausgewachsene, professionelle Software für den Filmschnitt. Das spiegelt sich auch im Preis, der bei € 399 liegt.

4. Photoshop (Adobe)

Adobe Photoshop - Software um Cinemagraph zu erstellen
Adobe Photoshop

Einzelaufnahmen, also Frames, lassen sich in Photoshop ebenso mühelos wie Videosequenzen mit mit weiteren Bildelementen ergänzen und zu einer Animation oder zu einem Loop zusammenfahren. Dies erfolgt innerhalb der Zeitleiste (Timeline).

Photoshop bietet zusätzlich dazu noch die Option an, ein Cinemagraph schon auf Stufe Einzelbild im Bezug auf die Datenmenge zu optimieren und redundante Bilddaten zu reduzieren.

VorschaubildAnleitung: Cinemagraphs erstellen einfach gemacht die wichtigsten drei Produktionsarten

Im Cloud-Abo von Adobe kostet die Lizenz für die Vollversion von Photopshop pro Monat € 19 (Alle erwähnten Preise sind immer Richtpreise und können sich ändern).

Das richtige Format

Ein Cinemagraph lässt sich in jedem Videoformat erstellen und exportieren. Trotzdem eignet sich das Format MP4 dazu besonders gut. Erstens ist es kompatibel mit allen Social Media Plattformen. Zweitens sind solche Dateien relativ klein, was den Download und Upload vereinfacht.

Für die Einbindung auf Webpages eignet sich auch das Grafik-Format PNG. Es ist zusätzlich stark komprimierbar. Allerdings werden animierte PNG von Geräten mit installiertem Browser vom Typ Safari (Apple) nicht abgespielt. Auch das neue, mobile Webformat AMP tut sich noch schwer mit PNG-Files.

Die 3 wichtigsten Wege beim Cinemagraphs erstellen

Ein Cinemagraph lässt sich auf drei unterschiedliche Arten erstellen:

1. Loop aus Videoproduktion

Bei der eigenständigen Videoproduktion wird wie in normaler Film als One-Shot-Spot gedreht. Aus Gründen der Datenmenge und der damit verbundenen Ladezeiten einer Webpage im Internet wird in der Bildbearbeitung in einem ersten Schritt der statische Bildbereich isoliert (da in ihm keine Bewegung stattfindet).

Im zweiten Schritt wird der Teil des Videobildes, in dem eine Bewegung stattfindet, in das statische Bild gesetzt. Die Tools zur Produktion eines Cinemagraph als Video sind identisch zu einer Videoproduktion: Videokamera, Schnittplatz mit Bildbearbeitungsprogramm und der Möglichkeit, das fertige Produkt im gewünschten Format (meist GIF oder PNG) und in der angeforderten Pixelgröße zu exportieren.

2. Fotoproduktion mit anschließender Animation

Oftmals sind Bewegtbild-Loops auch als Fotoproduktion realisiert. Anders als bei der Videoproduktion fotografiert man dabei statt einer Videosequenz eine Reihe aufeinander folgender Einzelbilder. Die Aufnahmen werden anschließend in ein Softwareprogramm importiert und dort weiter bearbeitet.

Ebenso wie im Fall der Videoproduktion strebt auch in dieser Variante der Profi danach, die Datenmenge möglichst klein zu halten, in dem er strikte zwischen bewegtem Bildbereich und statischem Bildbereich unterscheidet.

3. Digitale Animation von A bis Z

Es gibt Fälle, in denen ein Kunde bereits die Rechte an einem Bild für eine Print-Kampagne lizenziert hat und sich nun für Ad-Screen, Social Media oder POS ein Cinemagraph wünscht. In diesem Fall bleibt nur eine Möglichkeit: die Bewegung wird in das statische Bild hinein-animiert.

Dazu wird die identische Software eingesetzt, wie sie auch sonst für die 2D- und 3D-Animation von Film und Video verwendet wird. Konzeptuell, kreativ und oftmals auch hinsichtlich der Kosten, stellt diese Variante des Cinemagraphs erstellen meist eine deutliche Steigerung zu den vorgehend beschriebenden Produktionswegen dar. Zudem ist entscheidend, dass das zu animierende Bild in genügender Größe vorliegt und lizenziert ist.

Bei aufwändigen Vorhaben empfiehlt es sich, vorab zur Produktion die Intensität und das Funktionieren des angedachten Kreativkonzepts mit einem Layout zu testen. Bei einem Real-Dreh mit Video oder bei der Umsetzung mit einer Foto-Sequenz lässt sich sowohl die Wirkung wie auch der Workflow problemlos testen. Kreative Kopfgeburten können so von Beginn weg vermieden werden.

Zusammengefasst

Wer sich für den Weg der Animation auf Basis eines existierenden Fotos entscheidet, wird so oder so auf einen professionellen Motion Designer zugreifen wollen. Auch dieser ist in der Lage, mit wenig Initialaufwand in Form einer Simulation zu prüfen, ob sich aus dem Standbild eine attraktive Endlosschlaufe erstellen lässt, die den Namen Cinemagraph verdient und die den Aufwand einer 2D oder 3D-Animation wert ist.

Stumme Videos wirken im digitalen Geschrei um Aufmerksamkeit wohltuend entschleunigend und entfalten gleichzeitig eine oftmals fast schon hypnotische Kraft. Sie sind für die Kommunikation mit Film und Video keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Sie nehmen unsere Faszination am Entdecken von Bildwelten ernst. Darum sollten wir das Potential von Cinemagraph auch in unseren Breitengraden ernst nehmen.

Eine gänzlich andere Spielart, aufwändiger aber mit ebenso faszinierender Wirkung, sind Bullet Time Effekte. Zum Artikel geht es hier.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Carrie Duvan
Wer ist Carrie Duvan? 5 Artikel
Carrie Duvan hat am Aufbau einer bekannten Social Media Plattform mitgearbeitet. Heute ist sie Chief Web Officer für ein international tätiges Agenturnetzwerk in NYC. Carrie ist glücklich verheiratet und Mutter. Sie publiziert regelmäßig Beiträge für bekannte Print- und Online-Magazine.

6 Leser-Inputs

  1. GIF sind komprimierte Bilder ohne Ton. Mit JavaScript lässt sich eine „Tonspur“ erstellen. Die spielt aber nur dann, wenn der Besucher Deiner Webpage bei seinem eigenen Browser JavaScript aktiviert hat. Darüber hast Du keine Kontrolle. Besser für die Vertonung ist es, nicht GIF sondern ein anderes Format zu verwenden.

  2. Der Begriff Cinemagraph kann aus inhaltlicher und wirkungsorientierter Sicht oder aus technischer Perspektive definiert werden. Ich bevorzuge die inhaltliche Sicht, die damit über reine GIF oder PNG hinausgeht. Wenn mit Ton, gilt: sobald eine unsensible Tonspur die Bildebene sabotiert, wird der diskrete Muskelprotz zum Hampelmann und gehen Wirkung und Faszination flöten.

  3. Ein recht herzliches Dankeschön an die Profis in ZH. Insbesondere bedanke ich mich bei Kristian Widmer für das konstruktive Gespräch unter Kollegen aus der Branche. Für uns ist das Segment Cinemagraphics ein Novum in der Umsetzung beim Kunden. Wer kompetente Auskünfte zu dieser Thematik braucht, wird in diesem Blog bestens versorgt!

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