Anleitung, Tipps und Tricks: Greenscreen, Bluescreen und Chroma Key in der Praxis

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Dreharbeiten mit Green Screen | © Montage: Filmpuls / Supergirl: PNGRiver

Chroma Key wird als Effekt heute so viel eingesetzt, dass wir diese Art der digitalen Trickserei gar nicht mehr bemerken. Vorausgesetzt natürlich, der Einsatz von Bluescreen oder Greenscreen erfolgt professionell und damit nach allen Regeln der Kunst. Hier zeigt dir FILMPULS, was das bedeutet.

Ob Spielfilm, Fernsehen oder Imagevideo: das digitale Leben macht auch bei der Filmproduktion und der Herstellung von Videos das Leben einfacher. Wenn es darum geht, Bildelemente zu kombinieren oder mit komplett digital animierten Objekten zu ersetzen, spielt Greenscreen / Bluescreen, und damit Chroma Key, eine entscheidende Rolle.

Dieser Artikel erklärt dir nicht nur, wie du Chroma Keying professionell anwendest, sondern bietet auch Tipps und Tricks für bestmögliche Qualität und Arbeitsergebnisse bei Videos mit Bluescreen respektive Greenscreen.

Das Wichtigste zum Thema

  • Chroma Keying ermöglicht es dir, Motiv und Hintergrund zu trennen und damit zwei unterschiedliche Bildquellen in einem Video als ein Bild erscheinen zu lassen.
  • Die Kombination ist nur möglich, wenn sich das Vordergrundbild klar von einem einheitlichen Hintergrund abhebt. Ist dies gegeben, erfolgte der Austausch automatisiert Mittels Software.
  • Am häufigsten werden eine standardisierte blaue oder grüne Hintergrundfarbe gewählt, bekannt als Bluescreen /Greenscreen.
  • Die Einrichtung und Ausleuchtung des Hintergrundes ist für die Qualität des Effektes entscheidend.
  • 3 exklusive Profi-Tipps warten am Ende dieses Artikels auf dich.

Was ist der Unterschied zwischen Greenscreen und Bluescreen oder Chroma Key?

Alle drei Begriffe, Greenscreen, Bluescreen und Chroma Key, stehen für denselben digitalen Vorgang. Stets wird eine Person oder ein Gegenstand aus dem Bild „ausgestanzt“. Das Verfahren dazu nennt man Chroma Keying.

Green-Screen-TV-Studio
Greenscreen für ein News-Studio | © MTC Tutorials

Die beiden häufigsten Anwendungsdaten von Chroma Keying sind Bluescreen und Greenscreen. Sie stehen für den wichtigsten Grundmechanismus, der diesen Effekt erst möglich macht.

Ein Beispiel: ein Video-Testimonial für ein Management Video muss produziert werden. Der zu drehende CEO ist nur für einen sehr begrenzten Zeitraum verfügbar. Gleichzeitig soll das Interview aber vor einer Filiale des Unternehmens im Ausland stattfinden.

Ginge es um ein Foto, würde man ihm Photoshop den Kopf des Managers ausschneiden (Fotografen nennen das „freistellen“) und vor den gewünschten Hintergrund einfügen. Rein theoretisch wäre dies auch bei Video möglich. In der Praxis hieße dies, pro Sekunde jeweils 25 Einzelbilder aufwendig zu bearbeiten.

Schon seit dem analogen Film besteht darum ein Verfahren, mit dem sich Vordergrund und Hintergrund auf einfache Weise und effizienter kombinieren lassen: mit Chroma Keying.

Wie funktioniert Chroma Key?

Die Wirkungsweise von Bluescreen / Greenscreen lässt sich einfach erklären. Man befiehlt einer Computer-Software, automatisch eine bestimmte Farbe in der Videoaufnahme zu entfernen. Diese Farbe ist blau. Oder grün. Überall dort, wo sie im Bild vorhanden ist, kann ein neuer Hintergrund oder ein neues Videobild eingesetzt werden.

So läufst du dank Chroma Key auf dem Wasser! (Video in englischer Sprache)

Video ThumbnailBeispiel für Chroma Key mit Green Screen (englische Sprache)

Das wohl bekannteste Beispiel für Chroma Keying sind die Wetterprognosen im Fernsehen. Der Ansager oder die Ansagerin stehen bei der Aufzeichnung vor einem einfarbigen Hintergrund. Die TV-Zuschauer aber sehen die Person vor der animierten Wetterkarte. Der Austausch des Hintergrundbildes gegen ein neues Videobild, eine Animation oder ein Standbild erfolgt dabei in Echtzeit.

Mit diesem Verfahren lassen sich auch Gegenstände in einem Bild verändern oder ersetzen. Möglich ist dies natürlich nur, wenn das zu ersetzende Objekt einfarbig ist und die zu ersetzende Farbe nicht noch an anderen Orten im Bild vorkommt.

Genau dies ist auch der Grund, warum es nicht nur Bluescreen gibt. Sondern auch Greenscreen.

Ist Greenscreen oder Bluescreen besser?

Stelle dir vor, der Wetterprophet aus dem Beispiel vorher hat grüne Augen. Oder trägt einen grünen Schlips. Zugleich steht er vor einem grünen Hintergrund. Was passiert? Richtig! Auch dort, wo die Augen waren und der Schlips, ersetzt der Computer, dumm wie er ist, den Vordergrund durch den Hintergrund.

Ob also Greenscreen oder Bluescreen angewendet wird, hat immer auch damit zu tun, welche der beiden Farben im Vordergrund bereits vorhanden ist.

chroma keying bei spielfilm
Greenscreen für »Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln« | © Walt Disney Pictures

Früher galt Bluescreen als das Maß aller Dinge. Bereits im analogen Film-damals doch einen aufwendigen chemischen Prozess-konnte auf diese Weise ein Motiv für einen neuen Hintergrund gesetzt werden.

Dass heute die Farben blau und grün – und nicht auch gelb, rot oder schwarz als Hintergrundfarbe zum Einsatz kommen, hat einen einfachen Grund:

Grün und blau bieten den stärksten Kontrast zur Farbe der menschlichen Haut. Und ermöglichen damit eine saubere Definition von Vordergrund und Hintergrund.

Technisch geschieht dies, indem die angewendete Software in der Video-Bildbearbeitung live oder nach der Aufnahme die Hintergrundfarbe transparent macht: Sie ersetzt diese durch einen Alpha-Kanal.

Auch wenn heute die Farbe Grün häufiger als das frühere einheitliche Blau gewählt wird, Grün hat einen gewichtigen Nachteil, der bei der Ausleuchtung des Hintergrundes zwingend beachtet werden muss:

Grün reflektiert das Licht um vieles stärker (bis zu Faktor zwei) als die Farbe Blau.

Fallen die bläulichen Reflexionen auf die Person oder das Objekt im Vordergrund, wird dieser „unsauber“. In der Folge bekommt die Software Mühe, Vorder- und Hintergrund zu unterscheiden. Und weil diese tut, wozu sie programmiert wurde, stanzt sie dann auch Teile des Vordergrundes aus und liefert aus gepflanzte Bildkanten.

Anwendungsarten von Chroma Keying

Nebst dem täglichen Einsatz in TV-News und Video-Interviews hat Chroma Keying im Spielfilmschaffen die letzten Jahre eine immer höhere Wichtigkeit erhalten.

Durch die 3D-Animationen können Welten erschaffen werden, die kaum mehr von der Realität unterscheidbar sind. Fabelwesen und futuristische Welten entstehen dabei allerdings nach wie vor im Computer – und erst nach den eigentlichen Dreharbeiten.

VIDEO DER WOCHE -★- 10 Schauspieler, die ihre Stunts selber machen | © YouTube

Video ThumbnailChroma Key wird als Effekt heute so viel eingesetzt, dass wir diese Art der digitalen Trickserei gar nicht mehr bemerken. Vorausgesetzt natürlich, der Einsatz von Bluescreen oder Greenscreen erfolgt professionell und damit nach allen Regeln der Kunst. Hier zeigt dir FILMPULS, was das bedeutet. Ob Sp

Für die Schauspieler bedeutet dies, nicht mehr in realen Welten zu spielen, sondern in einem Greenscreen- oder Bluescreen-Studio. Zur Lenkung des Blickes kann dann schon mal ein grüner oder blauer Tennisball auf einem Stock aus Spielpartner dienen.

Hollywood ohne Chroma Keying: Wie Filme beim Dreh wirklich aussehen:

Video Thumbnail„Hollywood

Was muss ich beim Ausleuchten für Greenscreen und Keying beachten?

Für professionelles Chroma Keying willst du deinen Studiohintergrund nicht (!) mit irgendeiner blauen oder grünen Farbe anstreichen. Denn damit machst du der Keying-Software das Leben schwieriger.

Was du willst, wenn du den Entscheid zwischen Greenscreen und Bluescreen gefällt hast, ist ein vorgefertigter Greenscreen oder Bluescreen. Oder aber eine Spezialfarbe, entweder „Chroma Green“ oder „Chroma Blue“.

Diese standardisierten Farben sind zwar teurer, als das Zeugs, was du im Baumarkt bekommen kannst. Aber sie haben einen unübertrefflichen Vorteil. Durch ihre Normierung sind sie auf die Software für das Chroma Keying abgestimmt. Selbst wenn du oder dein Kameramann kein Meister im Licht setzen ist, erkennt der Computer damit zielsicher, was er zu tun hat.

Ausleuchten willst du den Hintergrund, ob als gespannte Leinwand oder alles bemalte Studio-Wand, möglichst gleichmäßig. Die Helligkeit muss gleichmäßig sein. Ebenso sind Schattenwürfe unerwünscht.

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Vermeiden von Schattenwürfen: Schema Ausleuchten für Greenscreen | © Grafik: Videomaker / videosoftdev

Schaue insbesondere darauf, dass die verwendete Lichtquelle dich nicht sabotiert! Tageslichtleuchten oder LED sind ideal. Anders, als mit warmem Licht, läufst du damit keine Gefahr, dass die Scheinwerfer dein schönes blau mit einem Grauton versehen oder das Grün vor der Kamera bräunlich eingefärbt werden.

Was ist Spill?

Frei übersetzt aus der englischen Sprache kannst du „Spill“ als „das Bild versauen“ verstehen. Korrekt heißt das Wort: verschütten oder überlaufen. Versaut ist deine Aufnahme immer dann, wenn der Vordergrund …

  • Schatten oder Licht auf den Hintergrund wirft, oder
  • der Hintergrund Licht auf die Kanten des Objekts oder der Person im Vordergrund wirft.

Beides erzeugt Farbflecken, die vom Chroma Keying zuverlässig, aber unerwünscht mitentfernt werden. Unprofessionelles Keying erkennst du ganz besonders an unsauberen Kanten des Motivs im Vordergrund.

In der Praxis hast du zur Vermeidung von Spill als Profi zwei Tricks zur Hand.

  1. Du leuchtest den Hintergrund dort, wo du eine Reflexion oder Schatten hast, mit einer weiteren Lichtquelle zusätzlich aus. Du bekämpfst die Unregelmäßigkeiten und „Flecken“ also mit einem ergänzenden, farbigen Hintergrund Licht.
  2. Kontrollieren kannst du den Farbton im Hintergrund nicht nur mit der Lichtquelle, sondern auch mit einer speziellen Folie (Gel), die einem Standard-Magenta-Wert folgt. Finden tust du diese unter dem Namen „Minus Green“.

Dein Ziel muss sein, schon beim Dreh einen gleichmäßig ausgeleuchteten Hintergrund zu haben. Dabei hilft dir ein Waveform-Monitor. Ein solcher kann auch tageweise gemietet werden.

Programme und Software für Keying

Professionelle Software für die Videobearbeitung hat in der Regel die Funktion für das Chroma Keying bereits integriert. Das gilt auch für Freemium- oder Gratis-Programme zum Video bearbeiten.

Empfehlenswert und beliebt sind als Greenscreen-Editoren:

  • DaVinci Resolve
  • Avid
  • Filmora9 Video Editor
  • Final Cut Pro
  • AVS Video Editor
  • Sony Vegas Pro
  • Virtual Dub
  • iMovie

Nebst den genannten Programmen gibt es diverse weitere Videobearbeitungssoftware mit einem eingebauten Chroma Key-Tool.

3 Profi-Tipps und Tricks für einen gleichmäßigen Hintergrund

1Nutze einen Waveform-Monitor

Der Waveform Monitor zeigt dir das Farbspektrum als Bandbreite an. Je schmaler dieses horizontale Band horizontal verläuft, desto regelmäßiger dein Hintergrund. Siehst du einen diagonalen Verlauf, ist eine der Hintergrundseiten dunkler als die andere.

Anleitung: Mit einem Waveform-Monitor arbeiten | © Silas F.

Video ThumbnailAnleitung Waveform Monitor

Professionelle Waveform Monitore gibt es von diversen Herstellen, so beispielsweise von Canon (DP-V2420) oder Telestream (WFM2200A) und Sony (PVM-A170 v2.0).

2Arbeite mit Tiefenschärfe

Ein weiterer Trick besteht darin, mit geringer Tiefenschärfe zu arbeiten. Legst du die Schärfeebene auf den Vordergrund und hebst diesen heraus, erscheint der Hintergrund durch die leichte Unschärfe einheitlicher. So werden Unregelmäßigkeiten und leichte Schatten durch die fehlende Schärfe „geschluckt“.

Zugleich verhilft der Fokus auf den Vordergrund zu schärferen Kanten. Auch das hilft beim Chroma Keying mit Green Screen oder Bluescreen.

3Optimiere die Farbsättigung in der Bildbearbeitung

Ebenso kannst du dir und deinen Aufnahmen ein leichteres Leben verschaffen, indem du bei der späteren Bildbearbeitung und vorab zum Keying eine Farbkorrektur über das Bild laufen lässt. So kannst du die Sättigung der Hintergrundfarbe, natürlich getrennt vom Vordergrund, optimieren.

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Über Pavel Sokolov 27 Artikel
Pavel studiert Film Editing. Er mag François Truffaut, Terrence Malick, Dr Pepper, seinen Thermaltake View 71 TG, Musik von Seeed und alle Dinge, die mit der Farbe Rot zusammenhängen, aber keinem Lebewesen Schmerzen bereiten.

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