In 15 Schritten zu den Dreharbeiten: Checkliste für die Vorproduktion

Vorproduktion Preproduction Drehvorbereitung
Wer nicht plant, plant das Versagen | © Anime: Pavel Sokolov

Du hast ein Drehbuch und die für die Dreharbeiten notwendigen Mittel. Es hat lange genug gedauert, bis du an diesen Punkt gelangt bist. Also möchtest du sofort mit dem Dreh loslegen. Trotzdem solltest du, bevor du das Gaspedal durchdrückst, die Geschwindigkeit für einige Sekunden verringern und dir überlegen, was Vorproduktion heißt.

Die Vorproduktion ist deine Chance, einen guten Film zu machen. Nur so bekommst du alle Aufnahmen, die dein Filmkonzept verlangt und die du später für den Bildschnitt benötigst.

Die 6 Phasen einer Filmproduktion

Die Produktion eines Kinofilms, einer Serie oder eines Videos wird weltweit in sechs unterschiedliche Phasen unterteilt.

  • Drehbuchentwicklung
  • Finanzierung
  • Drehvorbereitung
  • Dreharbeiten
  • Nachbearbeitung
  • Distribution

Grafik: Die sechs wichtigsten Segmente der Produktion und Publikation eines Kinofilms

In diesem Artikel geht es um die Vorproduktion, die international meist als Preproduction bezeichnet wird. Sie umfasst die Gesamtheit aller Vorbereitungen für einen Filmdreh und beginnt mit dem Abschluss der Finanzierungsphase und endet mit den Dreharbeiten.

Preproduction ist der Schlüssel

Damit dir die Drehvorbereitungen mühelos von der Hand geht und du nichts vergisst, findest du hier eine einfach verständliche Anleitung für die Vorproduktion. Mit allem, was dazu gehört. Dabei findest du neben der ultimativen Checkliste natürlich auch den einen oder anderen Insider-Tipp beigefügt.

Profi-Tipp

Ignorierst du die Vorproduktion und legst nach dem Drehbuch schreiben einfach mit der Videoproduktion los, führt das zu Fehlern. Diese wirst du später bereuen.  Denn Dreharbeiten zu wiederholen, ist meist unmöglich. Natürlich sind die Drehvorbereitungen (auch Preproduction genannt) weniger attraktiv als die Dreharbeiten. Einen Film oder ein Video zu planen, ist Arbeit. Richtig viel Arbeit.

Was ist Vorproduktion?

Unter Vorproduktion versteht man den Planungsprozess und die Ausführung aller Aufgaben, die vor Produktionsbeginn stattfinden müssen. Dieser Prozess erfordert die Feinabstimmung vieler kleiner Teile, die sich später beim Dreh zu einem nahtlosen Ganzen zusammenfügen müssen. Diese präzise Koordination, die auch Termin und Kosten umfasst, erfordert viele individuelle Anstrengungen der Beteiligten und viel Teamwork.

Was steht in der Preproduction Checkliste?

Viele der Elemente auf unserer Checkliste für einen Vorproduktionsplan überschneiden sich in der Praxis. Bei der Wahl der Drehorte beispielsweise gilt es unterschiedliche Interessen abzustimmen, die nicht immer einfach zusammengehen oder sich überlappen.

Darum führt unsere Checkliste im Zweifel lieber ein Kriterium unter zwei Kategorien auf, statt es wegzulassen. Damit kannst du sicher sein, dass unsere Punkte alle wichtigen Vorgänge bei der Drehvorbereitung enthalten.

Bevor wir in die einzelnen Abschnitte der Vorproduktion eintauchen und die einzelnen Schritte und deren Reihenfolge im Detail erklären, geben wir dir einen Überblick, was du vor dem Drehstart alles im Griff haben musst:

Checkliste Vorproduktion

15 Prüfpunkte für die Drehvorbereitung
  1. Drehbuch (Picture Lock)
  2. Filmbudget erstellen
  3. Produktionsplattform finden
  4. Schlüsselpositionen in der Crew besetzen
  5. Script Breakdown erarbeiten
  6. Storyboard zeichnen (vom Wort zum Bild)
  7. Drehorte finden (Location Scouting)
  8. Casting durchführen
  9. Art Department briefen
  10. Administration und Rechtsfragen klären
  11. Drehplan erstellen
  12. Restliche Crew verpflichten
  13. Shotlist erstellen (Finalisierung des Drehplans)
  14. Drehortbesichtigung (Tech Scout)
  15. Equipment bestellen

Wenn du diese 15 Aufgaben in dieser Reihenfolge erledigst, wirst du anschließend ohne Probleme und ohne böse Überraschungen erfolgreich mit den Dreharbeiten starten können.

Betrachten wir also die Checkliste für die Vorproduktion Schritt für Schritt:

1Drehbuch (Picture Lock)

Ein Drehbuch lebt nicht nur von Geschichten. Sondern es führt auch sein eigenes Leben: von der ersten Version bis zur Drehfassung gibt es immer wieder Anpassungen und Änderungen.

Für die Vorproduktion kann das zu einem Problem werden. Dann nämlich, wenn du bereits mit den Drehvorbereitungen beginnst, die Arbeit am Drehbuch aber noch nicht abgeschlossen ist. Diesfalls planst du möglicherweise eine Szene, die es später nicht mehr so gibt. Oder die plötzlich einen anderen Drehort oder andere Schauspieler benötigt.

Damit du bei der Preproduction nicht ins Leere arbeitest, gibt es den sog. Picture Lock. Das bedeutet: ab diesem Zeitpunkt werden keine Veränderungen am Drehbuch mehr vorgenommen. Der Inhalt ist gewissermaßen «geschlossen» (darum das englische Wort «Lock».)

Natürlich gibt es in der Praxis immer wieder Anpassungen des Drehbuchs. In einer idealen Welt folgt die Drehvorbereitung immer dem Inhalt. In Realität kann es, gerade bei kleineren Filmen, schon mal vorkommen, dass man die Story an einen Drehort anpassen muss und umschreibt.

Profi-Tipp

Damit alle Beteiligten diese Veränderungen mitbekommen, werden Szenen, die nach dem Start der Vorproduktion umgeschrieben werden, auf andersfarbiges Papier ausgedruckt und in das Drehbuch eingefügt. Auch darum hat ein Drehbuch immer Klammern! Das sieht dann aus wie ein Regenbogen: rote Drehbuchseiten für die erste Änderung, gelbe für nochmals später erfolgte Anpassungen usw.

Das klingt komplizierter, als es ist. Stell dir einmal vor, einer deiner Darsteller hat seine Rolle und Sprechtexte frühzeitig verinnerlicht und bekommt Drehbuchanpassungen nicht mit. So etwas sorgt auf dem Filmset ganz schön für Ärger.

2Filmbudget während der Vorproduktion erstellen

Wenn du deine Hausaufgaben erledigt hast, weißt du dank Erfahrungswerten und / oder einer Grobkalkulation ungefähr, wie viel Geld du für die Dreharbeiten benötigst. Schließlich kannst du nur mit der Vorproduktion starten, wenn du ein Budget zugesichert hast.

Bevor du Entscheidungen jeglicher Art über eine Filmproduktion treffen kannst, musst du wissen, wo du Geld wofür ausgeben kannst.

Dein Filmbudget ist der Schlüssel für die reibungslose Vorproduktionsprozess im Film.

Das bedeutet, du benötigst jetzt eine richtige, belastbare Filmkalkulation. Ohne Filmbudget geht es nicht. Darum steht das Drehbuch an erster Stelle und kommt gleich danach das Budget.

3Produktionsplattform finden

Du kannst deinen Film zwar in deiner Küche schreiben oder planen, aber für die Verträge, Bankbeziehungen und Versicherungen benötigst du eine professionelle Plattform.

Das kann eine Filmproduktion sein, mit der du dich zusammentust. Oder die du gleich selbst gründest. Falls du deine eigene Firma haben willst, musst du dir bewusst sein, dass auch für die Gründung Geld und Anwälte notwendig sind. Ein großartiger Name allein reicht nicht.

Profi-Tipp

Bedenke auch, dass du als Gründer einer Werbefilmproduktion oder Videoproduktionsfirma viel Energie für andere Dinge benötigst. Die Vorproduktion ist immer auch ein Krieg der Formulare und Büroarbeiten. Wenn du nicht nur deinen Film, sondern gleich noch die Produktionsfirma dazu aus dem Boden stampfen musst, kostet dich das viel Zeit. Zeit, die du meist besser in deinen Film investierst.

Tust du dich für die Preproduction mit einer etablierten Produktion zusammen, hast du für die wichtige Phase der Vorproduktion mehr als nur ein Produktionsbüro und Zugang zu allem Fachwissen. Du profitierst auch von Erfahrungen aus anderen Filmen und bekommst Zugang zum Netzwerk dieser Filmfirma. Damit kannst du einfacher diejenigen Talente für deinen Film finden, als wenn du als unbekannter Filmemacher bei null beginnen musst.

4Schlüsselpositionen für die Crew besetzen

Filme kann man nicht ohne Hilfe machen. O. K., die Computeranimation ist vielleicht eine Ausnahme davon. Aber wenn du so einen, abendfüllenden Kino-Spielfilm ohne fremde Hilfe im Alleingang erstellen willst, benötigst du wahrscheinlich so viel Zeit dafür, dass die Premiere mit deinem Eintritt in eine Seniorenresidenz zusammenfällt. Kurzum: Auf Mitarbeiter:innen kannst du nicht verzichten.

Profi-Tipp

Zuerst in der Vorproduktion besetzt du die wichtigsten Rollen. Das sind Kameramann, Regisseur – falls du nicht selbst Produzent:in bist – Produzent, Komponist und Produktionsleiter. Mit diesen Schlüsselpositionen startest du zur Vorbereitung der Dreharbeiten. Die Produktionsleitung, das ist dasselbe wie der Production Manager in der englischen Sprache, ist für die Drehvorbereitung eine der wichtigsten Personen.

Weil jede Person, die auf deinem Film arbeitet, Geld kostet, versuchst du anfangs mit möglichst wenig Mitarbeitenden auszukommen. Schrittweise wird der Produktionsleiter, zusammen mit Kameramann und Regisseur, die weitere Crew bestimmen und verpflichten.

Zum Start benötigst du ganz einfach alle die Personen im Team, welche dir mithelfen, deinen Film zu konkretisieren und weiter voranzutreiben.

Weil gute Leute immer Arbeit haben, ist es ratsam, die Wunschkandidaten schon frühzeitig für eine Zusammenarbeit anzufragen. Sonst weiß man nie, wer wann verfügbar sein wird.

Anmerkung zur richtigen Größe des Teams

Grundsätzlich passt du die Teamgröße natürlich an dein Projekt an. Je nach Geschichte und Filmgröße ist es möglich, dass du für die Vorproduktion schon von Beginn weg einen Produktionsdesigner oder die 1. Regieassistenz verpflichtest.

Bei komplexen Projekten sind neben dem 1, AD oft auch ein Line Producer und ein Production Coordinator vom ersten Tag der Vorbereitung an mit an Bord.

Im Extremfall kann auch ein Maskenbildner zu deinem Kernteam gehören. Nämlich dann, wenn deine Hauptperson im Film hier ganz besondere Anforderungen hat. Spielen Aliens eine wichtige Rolle oder muss dein Hauptdarsteller im Film eine Vollmaske tragen (so wie Gary Oldman im Spielfilm „Darkest Hour“), kommst du daran nicht vorbei.

Das «Wer» in dieser Phase bestimmt dein Projekt. Aber der Profi-Tipp für diese Phase der Vorproduktion ist, die Leute, die du benötigst, wenn möglich (Budget!) frühzeitig an Bord zu holen.

5Script Breakdown in der Vorproduktion erarbeiten

Was ein Picture Lock ist, das hast du schon vorab gelesen. Jetzt kommt der Punkt, an dem du einen Schritt weitergehst: Im fünften Schritt der Vorproduktion beginnst du mit dem sog. «Script Breakdown». Gemeint ist damit nicht ein Zusammenbruch, sondern das Zerstückeln des Scripts nach einzelnen, logischen Anforderungen.

So schön und rund sich der Plot im Drehbuch liest. Jetzt wird das Script mit chirurgischer Präzision zerlegt und in seine Bestandteile zerlegt. Alle Drehorte werden markiert und landen in eine Liste. Sämtliche erwähnten Requisiten in einer weiteren Auflistung. Genauso wie die Rollen, Nebenrollen, alle Statisten, Kostümbeschreibungen, Tageszeiten.

Profi-Tipp

Erinnerst du dich an das Skript, das du gesperrt hast? Nun, jetzt ist es an der Zeit, es aufzulösen. Aber was genau ist damit gemeint? Was einmal ein Drehbuch war, verwandelt sich nun in eine Reihe von Listen und Berichten. Mit diesen Berichten hast du eine viel klarere Vorstellung davon, was du für die Dreharbeiten benötigst. Auch das Budget kannst du damit viel konkreter formulieren.

Stell dir vor, dass dein Film eine Mahlzeit ist, und dein Drehbuch ein Rezept. Nun, jetzt ist es Zeit, die Einkaufsliste zu erstellen.

Mit dem Script Breakdown beginnst du und dein Team wirklich herauszufinden, auf was für einen Film du dich produktionell eingelassen hast.

Für das Erstellen eines Breakdowns gibt es professionelle Software. Je nach Programm kannst du dein Drehbuch sogar automatisch den jeweiligen Kategorien (Drehort, Darsteller etc.) zuordnen lassen und als Liste exportieren.

Exkurs: Filmsoftware für die Drehvorbereitung

Die bekanntesten Anbieter für professionelle Software für die Filmproduktion sind:

Aber trotz Software für das Produktionsmanagement wirst du vieles manuell kontrollieren, mit allen Beteiligten diskutieren und anpassen müssen. Das ist viel Arbeit. Darum ist es so wichtig, dass nicht gleichzeitig noch unkontrolliert am Drehbuch gearbeitet wird. Sonst macht dein Team dieselbe Arbeit mehrfach und du gibst dafür Geld aus, dass in die Dreharbeiten statt in die Drehvorbereitung fließen sollte.

Hast du den Punkt «Script Breakdown» abgeschlossen, kannst du deine Planung auf die nächste Stufe der Vorproduktion hochfahren. Denn damit hast du das erste Drittel der Drehvorbereitung bereits erfolgreich hinter dich gebracht.

6Storyboard zeichnen

Los geht’s! Nach all den Listen wird es jetzt wieder kreativ. Im letzten Schritt hast du das Filmskript in Berichte zerlegt. Jetzt verwandelst du Wörter in Bilder. Was vorher rein verbal und schriftlich war, ist jetzt visuell. Aus dem Drehbuch wird ein gezeichneter Comic.

Profi-Tipp

Ob mit Software erstellt oder von Hand gezeichnet, ob als grobe Skizze oder detaillierte Zeichnung: Ein gutes Storyboard hat nicht schön zu sein. Sondern klar in seiner Aussage. Es muss Dinge erklären und vermitteln, die mit Wörtern nicht vermittelbar sind. Darum nimmt das Storyboard in der Vorproduktion eine wichtige Brückenfunktion zwischen Drehbuch, Vision des Regisseurs und fertigem Film ein.

Das Storyboard verbildlicht die Vision des Films. Die Regie und Kameramann legen in diesem Schritt der Vorproduktion die Umsetzung im Bild fest. Damit entsteht eine weitere, wichtige Planungsgrundlage für die weitere Preproduction.

7Location-Scouting (Drehorte finden)

Drehorte sitzen nicht wie Hühner auf einer Stange. Die Locations, die du für deinen Film benötigst (und die in dein Filmbudget passen) gibt es nicht im Supermarkt. Location Scouting ist ein Prozess. Das Suchen und Finden der Drehort kannst du kaum in einem Schritt erledigen und als einen Punkt abhaken. Aber du musst jetzt, nachdem du die Vorgaben dazu aus dem Storyboard hast, in der Vorproduktion damit starten. Auch, wenn sich die Suche mit den nachfolgenden Aufgaben überlappt.

In der Praxis gibt es hier natürlich eine Art Rückkoppelung: Du oder dein Locationscout hat einen Ort gefunden, der von fünf Anforderungen drei Punkte erfüllt und zwei nicht. Weil es keine Alternativen gibt, fällt der Entscheid zugunsten dieser Location. Was nicht passt, wird in der Story und im Storyboard angepasst.

Preproduction ist auch die Kunst des Verhandelns und des Abgleiches unterschiedlicher Interessen. Für die Suche des Drehorts gilt das ganz besonders.

8Casting durchführen

Der Start des Castings ist in der Vorproduktion wieder ein wichtiger Schritt nach vorn in Richtung Dreharbeiten. Gibt es in deinem Film ganz große Stars (möglicherweise hast du nur darum Geld für deinen Film bekommen, weil ein bekannter Schauspieler mitspielt), sind diese natürlich schon vor Beginn der Drehvorbereitungen gesetzt. Das Datum des Filmdrehs ist dann bereits mit der Verfügbarkeit des Stars abgestimmt.

Für das Finden der Darsteller brauchst du nicht nur einen kreativen und künstlerischen Entscheid. Dieser kommt vom Regisseur. Du benötigst aber auch jede Menge andere Informationen.

Profi-Tipp

Wie viele Tage wird ein Schauspieler auf dem Set benötigt? Liegen diese Tage hintereinander? Oder muss der Einsatz gestaffelt oder an Einzeltagen erfolgen. Einen Teil dieser Angaben hast du im aktuellen Stand der Vorproduktion bereits aus dem Script Breakdown. Ein weiterer Teil entsteht später im Rahmen der konkreten Drehplanung. Eine saubere Planung des Drehs senkt die Kosten für deinen Film.

Ein Casting durchläuft unterschiedliche Phasen. Zuerst werden wichtige Rollen besetzt, dann die dazu passenden weiteren Charaktere. Sprechrollen haben Vorrang. Komparsen und Statisten werden erst später gesucht und bestimmt.

Das Casting kann produktionsintern oder durch eine darauf spezialisierte Agentur erfolgen. Beim Spielfilm werden die Rollen nahezu immer durch einen externen Spezialisten besetzt. Federführend ist hier der Casting Director. Er oder sie arbeitet dazu eng mit dem Regisseur zusammen.

9Art Department briefen

Das Art-Department kann für einen Film ganz entscheidend sein oder in deinem Filmprojekt gar nicht «stattfinden».

Bei Low-Budget-Filmen wird aus Kostengründen oft an sog. Originaldrehorten gefilmt. Dabei wird eine Location so gewählt, dass möglichst alles schon vor Ort ist, was für den Film erforderlich ist. Der Requisiteur (engl. = Prop Master) ergänzt an Requisiten, was im Drehbuch steht, aber nicht vor Ort mehr oder weniger zufällig schon vorhanden ist.

Ein Art-Department bestimmt in der Vorproduktion den Look des Films mit. Von den Drehorten, Studiobauten, der Ausstattung bis zu Kostümen und Farben (in Zusammenarbeit mit Regisseur und Kameramann).

Administration und Rechtsfragen

Mit diesem Punkt startet das letzte Dritte der Vorproduktion. Du hast jetzt schon viele wichtige Punkte für die Drehvorbereitung erledigt, du bist gewissermaßen auf der Zielgeraden zum Drehstart.

Jetzt gilt es, trotz der Vorfreude auf den Dreh und das nahende Ende der Preproduction nochmals einige administrative und rechtliche Dinge zu klären. Dazu gehören folgende Fragen:

  • Sind alle Verträge mit den beteiligten Schlüsselpersonen unterschrieben?
  • Liegen die Drehgenehmigungen vor die Locations vor?
  • Hast du alle erforderlichen Versicherungen?

Die Mutter aller Profi-Tipps ist der folgende Ratschlag: Wenn etwas Schlimmes auf deinem Set passiert und du keine Versicherung hast, werden deine Probleme weit über das hinausgehen, was du dir vorstellen kannst.

Klar, es gibt Leute, die ihren Film einfach so machen. Es kann sein, dass man damit neun von zehnmal durchkommt. Aber du willst nicht der Zehnte sein! Wer hier Risiken eingeht, hat die Romantik des unabhängigen Filmschaffens kräftig missverstanden. Denn so wirst du dich ruinieren und – noch viel schlimmer, unfairer und verantwortungsloser – auch die Arbeit aller anderen Beteiligten an deinem Filmvorhaben zunichtemachen.

Darum halte dich an alle Vorschriften. Mach dich schlau und halte dich an die Spielregeln. Sonst wird dein erster Film nicht nur dein letzter Film, sondern niemals ein Film werden.

Drehplan erstellen

Vor langer Zeit wurden in einer weit entfernten Galaxie aus Pappkarten und farbigen Papierstreifen in müheloser Kleinarbeit die Drehpläne erstellt.

Das war einmal. Heute kannst du mit professioneller Software ebenso wie mit kostenloser Filmplanungsprogrammen deine Drehpläne und Stripboards im Rahmen der Vorproduktion erstellen.

Beim Script-Breakdown hast du das Drehbuch in seine Bestandteile zerlegt. Für den Drehplan orientierst du dich eine Stufe höher: an den Szenen. Der Drehplan gliedert die Szenen in eine sinnvolle Abfolge.

Profi-Tipp

Einen Film kannst du chronologisch und in der Reihenfolge der Szenen im Skript drehen. Die erste Szene zuerst, dann die Zweite, bis du alles im Kasten hast. Wenn das Buch von einem Handlungsort zum nächsten springt und wieder zurück, fährst du aber wegen der Kosten eher nicht von Drehort A nach Drehort B und wieder zurück. Das wäre Unsinn. Darum willst du deinen Drehplan optimieren.

Hast du einen Schauspieler nur über einen gewissen Zeitraum zur Verfügung, wirst du alle Szenen mit ihm hintereinander drehen wollen. Ebenso wirst du auch nicht einen Tag während Tageslicht und am nächsten Tag in der Nacht und am Folgetag wieder eine Tagesszene drehen wollen. Hier bildest du Drehblöcke, damit die Crew vom ständigen Zeitwechsel keinen Jetlag bekommt und nur noch müde und unmotiviert ist.

Auch das Wetter kann ein triftiger Grund sein, Szenen in einer anderen Reihenfolge als im Drehbuch zu drehen. Normalerweise werden diejenigen Szenen, die eine bestimmte Witterung bedingen, vorn im Drehplan eingeplant. Ganz einfach darum, weil man sie so (wenn die Wetterbedingungen nicht mitspielen) noch auf der Zeitachse nach hinten verschieben kann. Umgekehrt sind Innenaufnahmen meist Reservedrehorte, auf die bei schlechtem Wetter ausgewichen werden kann.

Hier leistet die Vorproduktion einen wesentlichen Beitrag zum Risikomanagement einer Filmproduktion.

AAbschluss der Vorproduktion: Restliche Crew verpflichten

Mit dem Drehplan kennst du nun die exakten Rahmenbedingungen für die Dreharbeiten. Damit bist du an einem Punkt in der Vorproduktion, an dem es Zeit ist, die restliche Crew zu verpflichten.

Dazu werden dir deine Schlüsselpersonen die geeigneten Personen vorschlagen. Manchmal in Form einer Wunschliste, manchmal fast schon als Bedingung für eine Zusammenarbeit.

Die Zusammenarbeit bei Filmprojekten ist immer auch eine Vertrauenssache. Wann immer möglich solltest du darum den Vorschlägen deiner Schlüsselmitarbeiter folgen. Ihre Motivation und eine gute Stimmung auf dem Set werden dich dafür belohnen.

BAbschluss der Vorproduktion: Shotlist erstellen und Drehplan finalisieren

Die Shotlist ist eine Unterstufe des Drehplans. Sie wird ebenfalls während der Vorproduktion erstellt. In ihr werden nicht die Szenen, sondern die Einstellungen, aus denen die Szenen bestehen, aufgeführt. Drehplan und Shotlist kannst du auch kombiniert in einem Dokument zusammenfassen.

Möglicherweise führt die Erarbeitung der Shotlist dazu, dass du auch den Drehplan nochmals überarbeiten musst. Weil auch dieser Schritt (wie die gesamte Vorproduktion) dazu dient, die Dreharbeiten möglichst effizient und optimal zu planen, gehört dies dazu.

CAbschluss der Vorproduktion: Drehortbesichtigung (Tech Scout)

Der sog. Tech Scout ist eine Drehortbesichtigung mit dem «technischen Personal» deines Films. Dazu gehören Kameracrew, Beleuchter, Bühne, Produktionsleitung, möglicherweise auch das Art-Department. Der Regisseur darf hier fehlen. Er hat die Drehorte alle schon vorab gesehen und seine Vision dem Kameramann kommuniziert.

Die Begehung der Location mit der technischen Crew hilft dieser, ihre eigene Planung zielgerichtet und konkret voranzutreiben. Ein Beispiel: erst vor Ort kann gesagt werden, wie Scheinwerfer positioniert (im Raum, außerhalb?) oder woher der Strom (Generator? Starkstromanschluss in der Küche?) für die Lichtbatterie bezogen werden kann.

DAbschluss der Vorproduktion: Equipment bestellen

Nach dem Tech Scout steht fest, wie viel Equipment für die jeweiligen Drehorte erforderlich ist. Auch das wird in Listen zusammengefasst. Mit diesen kann die Produktionsleitung bei unterschiedlichen Anbietern (Filmequipment wird immer für die Drehzeit angemietet) ganz spezifisch Offerten einholen, mit Budget und Terminplan überprüfen, um dann Kamera, Scheinwerfer, Dollys etc. verbindlich bestellen.

Vorproduktion: Zusammenfassung

Die Vorproduktion ist deine Chance. Hier kannst und sollst du alles, was du während der Produktion tun musst, vorbereiten und aufeinander abstimmen.

Die Preproduction ist aber auch eine kritische Phase. Jeder Fehler, den du hier begehst, kommt während der Produktion zum Vorschein und wird von den Dreharbeiten vergrößert.

Das musst du wissen

  • Gut geplant ist halb gewonnen. Das gilt für die Vorproduktion von Videos ganz besonders.
  • Die Phase der Vorbereitung einer Videoproduktion beginnt bei Auftragsproduktionen mit dem Vertragsschluss und endet mit dem ersten Drehtag.
  • Beim Spielfilm, wo ein Dreh sich über Wochen oder Monate erstreckt, können die Vorbereitungen nach einer ersten Startphase parallel zum Dreh weiterlaufen.
  • Die Preproduction ist mehr als nur Drehvorbereitung. Sie dient auch zur Minimierung von Risiken und Festlegung der Production Values.

Informationen zur Gesamtplanung findest du in der Rubrik Leserfragen unter: Wie plane ich einen Imagefilm?.

Nimm dir darum die für die Vorproduktion notwendige Zeit. Arbeite konstant, langsam und präzise. Und stelle alle Fragen, wirklich alle Fragen und suche dazu die für dein Projekt richtigen Antworten. Hast du das während der Vorproduktion gemacht, werden die Dreharbeiten mühelos über die Bühne gehen.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Dieser Artikel wurde erstmals publiziert am 02.10.2018

Carlo Olsson 100 Artikel
Carlo Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

Teile jetzt deine Erfahrungen

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Links zu Werbezwecken werden ausgefiltert.


*