Was du über Bauchbinden (Lower Thirds) und deren Einsatz wissen musst

Bauchbinden Lower Thirds On Air Design
Beispiel für eine Bauchbinde (Lower Third) | © videohive

Als Bauchbinde wird im TV-Geschäft und bei Videos gemeinhin ein eingeblendeter Name einer Person verstanden. In diesem Artikel findest du alles, was du darüber wissen musst.

Bauchbinden (im englischen auch Lower Thirds) genannt können in unterschiedlichen Formen auftreten. Es ein Missverständnis, dass sie allein als Träger von Namen und Funktionen einer Person eingesetzt werden können. Hier erfährst du, warum.

Das Wichtigste für dich zusammengefasst

  • Unter dem Begriff Bauchbinde werden eingeblendete Textteile im Bewegtbild verstanden.
  • Bauchbinden transportieren damit Informationen.
  • Zugleich sind sie als Teil des sogenannten Screendesigns (im TV auch On Air Design genannt) ein Gestaltungsmittel und Teil der Corporate Identity (Marke).
  • Visuelle und textliche Informationen müssen gezielt aufeinander abgestimmt werden.
  • Informationen zu Vorlagen (Templates) und was du bei der Archivierung von Videos mit Bauchbinden beachten musst, um später Ärger zu vermeiden, findest du weiter unten in diesem Beitrag.

Das musst du über Bauchbinden wissen

Der deutsche Begriff „Bauchbinde“ stammt daher, dass bei klassischen Einstellungsgrößen in TV-News Name und weitere Informationen zur Person, die im Bild zu sehen war, auf Bauchhöhe eingeblendet wurden.

Was in den Anfangszeiten von Video technisch und gestalterisch höchst aufwendig war, ist heute mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Premiere, After Effects oder Da Vinci Black Magic und Avid problemlos zu meistern. Als Folge davon gibt es mittlerweile unzählige Arten und Formen, wie Bauchbinden aussehen und – als Folge davon – in einem Bildschirm platziert werden können.

In der englischen Sprache wurde diese Art Titel jeweils im unteren Drittel des Bildes eingeblendet. Daher die Bezeichnung „Lower Third“. Damit ist dasselbe gemeint. Das gilt auch für weniger oft gebrauchte Bezeichnungen wie „Inserts“ oder „Einblender“.  Außerhalb der Branche spricht man auch von Bildunterschriften. Gemeint ist damit immer dasselbe: die Bauchbinde.

Arten von Lower Thirds

Bauchbinden können durch zwei Kriterien unterschieden werden: erstens durch die Anzahl Zeilen, die sie benutzen. Zweitens unterscheiden sich Einblender durch die Art der Informationen, welche sie vermitteln.

Einblender zur Betitelung einer Person

Um Zeit zu sparen oder aus gestalterischen Gründen verzichtet man im TV wie auch bei Image- und Web Videos darauf, eine Person im Bild durch Worte (Moderator oder Off-Kommentar) vorzustellen. Stattdessen werden Vorname und Name, oftmals auch Funktion und Unternehmen, für das die porträtierte Person arbeitet, schriftlich in der Bauchbinde eingeblendet.

Beispiel: Klassische Anwendung der Bauchbinde

Alternativ sind auch zu finden: Angaben zum Wohnort, Parteizugehörigkeit, Hobbys oder zum Ort, an dem sich der oder die Porträtierte gerade befindet. Bei Archivaufnahmen ist der entsprechende Hinweis in der Regel ebenso Teil der Bauchbinde

Bauchbinden zum Transport von Informationen, die das Bild ergänzen

Insbesondere bei der Dokusoap, aber auch bei anderen Genres findet sich ein zweiter Anwendungstyp vom Bauchbinden. In dieser geht es weniger darum, den Menschen im Bild zu benennen oder zu verorten. Sondern um die Ergänzung der Bild Information mit Aussagen, welche die Person im Bild im Kontext zu einem anderen Zeitpunkt gemacht hat.

Ein Beispiel: in einer Dating Show spricht ein Kandidat über seine letzte Beziehung. Dies möglicherweise in einer Parallelhandlung in Form eines Rückblicks, in der es um die Erwartung an die zukünftige Beziehung geht. Solche Sequenzen, meist ist die Person dabei auf einem Sofa, wollen kurz und straff gehalten werden. Denn im parallelen Handlungsstrang haben sich die beiden Protagonisten möglicherweise gerade erstmals kennengelernt.

Es geht also darum, in diesem Fall in kurzer Zeit ein Maximum an Informationen zu vermitteln. Konkret steht deshalb in der Bauchbinde:

„Franz mag keine leeren Versprechungen“, während die oder der Porträtierte über seine Erwartungen spricht. Es gehört zum Genre und den Gesetzen der dramaturgischen Mechanik, das dann logischerweise in der Parallelhandlung das gegenüber gerade solches tut.

Man muss es aber nicht dermaßen auf die Spitze treiben. Auch in einem Image Video können auf diese Weise zusätzliche, wertvolle Informationen vermittelt oder zusätzliche Emotionen getriggert werden.

Beispiel: TV-Dokusoap

dokusoap bauchbinde mit ergänzenden Informationen
Dokusoap: Beispiel Bauchbinde mit ergänzenden Informationen | © RTL

Unterscheidung nach Anzahl der Zeilen

Wie immer gibt es keine verbindlichen Regeln. Möglich ist alles, was Sinn ergibt und vom Zuseher kognitiv aufgenommen werden kann.

Dabei gilt:

Einzeilige Bauchbinden sind für den Zuschauer schneller und einfacher verständlich, als mehrzeilige Untertitel.

Je ruhiger der Bildinhalt und je einfacher das auf der auditiven Ebene vermittelte, desto höher darf die Zahl der Zahlen sein.

Grundsätzlich erfordert die Wahrnehmung von Inhalten auf zwei unterschiedlichen Ebenen eine höhere Leistung von unserem Gehirn, als wenn wir uns nur auf eine Art der Informationsvermittlung konzentrieren können.

Hinzu kommt in der Praxis ein weiterer Faktor: Versteht man die Bauchbinde als ergänzendes Bildelement mit Textinformation, reduziert sich die Größe des Textes mit der Anzahl Zeilen. Schließlich will man seine Texte nicht über das gesamte Bild legen.

Texteinblender als Teil der Corporate Identity

Bauchbinden dienen nicht nur im Fernsehen zur Kennzeichnung des Absenders und des Sendegefäßes.

Wer als Firma regelmäßig mit Video kommuniziert, sollte immer wieder auf die identischen Gestaltungsmerkmale zurückgreifen. Genauso, wie für grafische Elemente, Unternehmensbroschüren oder die Platzierung von Logos folgen auch Einblender dem Corporate Design des Absenders. Damit tragen sie bei, Bewegtbildinhalte ununterscheidbar zu machen.

Abgrenzung von Bauchbinden zu Untertiteln und Newstickern

Beispiel: Newstticker mit Infobox in TV-News

Newsticker-N24-Unterschied-Bauchbinde
Beispiel TV-Newsticker mit Infobox | © N24

Von der Untertitelung von Videos, also der Übersetzung der Originalsprache mittels eingeblendeten Textelementen am unteren Bildrand, unterscheiden sich Bauchbinden in zweierlei Hinsicht:

  1. der Inhalt einer Bauchbinde ist niemals eine 1 : 1 übersetzte Kopie einer bereits bestehenden (Audio-)Information im Video. Umgekehrt ist genau dies die Aufgabe der Untertitel. Sie sind nichts anderes als eine Übersetzung von Sprachinhalten in geschriebene Texte.
  2. Untertitel haben kein Screen Design mit gestalterischen Absichten. Eingeblendete Übersetzungstexte folgen keinem Corporate Design und sind nicht Identitätsmerkmal des Absenders. Ob in weißer oder schwarzer Textfarbe, hier beschränkt sich die gestalterische Freiheit darauf, eine möglichst gut lesbare Schrift zu wählen. Abhängig vom Bildhintergrund darf diese mit einem leichten grauen Hintergrund unterlegt werden.

Bei den Newsticker, wie sie bei News-Stationen wie CNN eingesetzt werden, sind die Textinhalte in der Bauchbinde zwar gebrandet, aber komplett losgelöst von dem, was auf dem Bildschirm gerade geschieht. Ob Börsenkurse oder Agenturmeldungen, hier bekommt der Zuschauer eine zweite, vom eigentlichen Inhalt losgelöste Informationsebene angeboten.

Screen Design / On Air Design

Wer etwas auf sich hält, gestaltet die Bauchbinde eigenständig und somit unverwechselbar.

Für TV-Stationen und Konzerne ist dies heute eine Selbstverständlichkeit. Auf Basis eines detaillierten Briefings erarbeiten spezialisierte Zulieferer für Screen Design (Motion Design meint in diesem Zusammenhang dasselbe) den jeweiligen Look & Feel. Diese Elemente, als Alpha-Kanal den jeweiligen Videoproduktionen oder Postproduktionshäusern zur verbindlichen Vorlage angeliefert, werden im Rahmen der Bildbearbeitung dann mit den erforderlichen redaktionellen Textinhalten befüllt.

Wer den Aufwand für die Erstellung einer individuellen Bauchbinde scheut, kann heute auf eine Vielzahl vorgefertigter Vorlagen zugreifen. Professionelle Schnittprogramme, wie beispielsweise Adobes Premiere, beinhalten sogar Musterlayouts, die kostenlos verwendet werden dürfen.

Im Web finden sich mit der Stichwortsuche „Lower Third Templates“ eine riesige Zahl an professionellen Vorlagen. Animationen inklusive. Sie sind meist für rund 50 € (Einmalkosten) zu erwerben und können problemlos zur Weiterverarbeitung in das Schnittprogramm der Wahl importiert werden. Schriften, Farben und Textgröße können, wie weitere Gestaltungselemente, anschließend frei nach den eigenen Wünschen an die eigenen Wünsche angepasst werden. Ebenso kann das eigene Unternehmenslogo mit einem Mausklick importiert werden.

Wer sich die Mühe macht, nicht das erstbeste oder das günstigste Layout zu erwerben, sondern dasjenige, welches der eigenen Corporate Identität am besten entspricht, bekommt damit für kleines Geld hochprofessionelle Bauchbinden.

Beispiele für adaptierbare Vorlagen (engl. Templates) für Lower Thirds im Web:

Zur Platzierung von Bildunterschriften

In der Regel ist der Name Programm: Bildunterschriften sind im unteren Drittel des Bildes angesiedelt. Sie gehorchen damit den Regeln der Bildkomposition.

Die Platzierung von Textinhalten kann aber auch vertikal oder sogar angepasst an das jeweilige Hintergrundbild erfolgen. Hauptsache, die Bildunterschriften folgen einem Prinzip und werden nicht willkürlich, also ohne Konzept dahinter, angelegt.

Spezialfall: „Clean Feed“ / Archivierung

Bei Programminhalten, die von TV Sendern hergestellt, aber später auch an weitere Stationen verkauft werden sollen, muss darauf geachtet werden, dass es am Ende der Produktion nicht nur ein Sendeband gibt, sondern auch einen sogenannten Clean Feed. Damit ist es möglich, eine Doku Soap oder eine TV-Show als White-Label-Content einzusetzen.

Der für Unternehmen weit wichtigere Anwendungsfall für Cleanfeed ist die Möglichkeit, sich spätere Adaptionen offenzuhalten.

Auf diese Weise kann das Erscheinungsbild eines Videos nachträglich angepasst (neues Corporate Design) werden. Mehr noch, die Bildinhalte können bei Archivierung einer „sauberen“ Bildversion zu einem späteren Zeitpunkt ungeschnitten werden. Oder in anderen Videos Verwendung finden. Darum sollte, wer mit Bauchbinden arbeitet, Cleanfeeds als verbindlicher Teil des Lieferumfangs mit der Filmproduktionsfirma vereinbaren.

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