Videos nur aus Stock Footage/Archivmaterial erstellen? Das sind die Vorteile und Nachteile!

Videos aus Stock Footage Archivmaterial
Videos nur mit Stock Footage? | © Adobe Stock

Lässt sich ein überzeugendes Video nur aus eingekauften Archivmaterial erstellen? Ist es möglich, aus Stock Footage ein Imagefilm oder ein Werbevideo zusammenzustellen, das genauso gut ist, wie ein aufwendig gedrehtes? Hier ist die Antwort.

Videos gelten in der Unternehmenskommunikation, im Marketing und für PR als überdurchschnittlich wirkungsstarke Maßnahmen. Aber auch als in der Herstellung aufwendiges und kostenintensives Kommunikationsmittel. Ist der Zugriff auf Stock Footage eine Alternative? Und wenn ja, was ist bei der Arbeit mit externem Archivmaterial zu beachten?

Drei Erfolgsgeheimnisse für Filme aus bereits existierendem Filmmaterial

Besteht die Aufgabe darin, einen Film zu erstellen, ohne dafür eine Sekunde neues Videomaterial zu drehen, entscheiden in der Regel drei Aspekte über Qualität und Wirkung.

  • Videokonzept
  • Recherche
  • Tonebene

Grafik: die wichtigsten drei Treiber für erfolgreiche Videos aus Archivmaterial

Das Filmkonzept ist darum entscheidend, weil es der Produktionsweise Rechnung tragen muss. Für einen Film aus Library Material muss es den richtigen Mix aus emotionalen Allgemeinplätzen und Details besitzen. Sind die erforderlichen Filminhalte zu spezifisch oder detailliert, werden sie kaum oder nicht gefunden. Sind Sie umgekehrt zu allgemein formuliert, bekommt der Film keine Handlungslinie und das Storytelling scheitert.

Die Recherche ist bei der Arbeit mit Stock Footage immer der wichtigste Aspekt. Oftmals wird bei der Budgetierung von Filmen mit Archivmaterial der Fehler gemacht, dass zwar Rechte und Lizenzen umfassend einkalkuliert werden, nicht aber die Arbeit eines qualifizierten Schnittredakteurs. Es ist die Auswahl, die am Ende über Passgenauigkeit der gefundenen Einstellungen und Szenen mit dem Konzept entscheidet.

Die Mehrheit aller Filme mit Material aus Videoarchiven wird durch eine auditive Klammer zusammengehalten. Sie kann nur aus Musik bestehen, vielfach extra auf das Bild komponiert, aus Sound Design oder einer Off-Voice. Der Ton gibt dem Archivmaterial die Klammer.

Selbstverständlich gibt es noch zahlreiche weitere Vorgänge, die nach erfolgter Auswahl der Bilder entscheidend sind: nebst einer geschickten Montage sind hier Farbkorrekturen zur Angleichung von Stock Footage aus unterschiedlichen Quellen und grafische Elemente zu nennen.

Vorteile des Filmemachens mit Archivmaterial

Es ist mit ausreichend Recherche und genügend dafür budgetiert der Zeit heute möglich, einen Film nur aus Archivmaterial zu stellen.

Was spricht für die Produktion eines Films nur mit Stock Footage?

  • Umfassendes Angebot von spezialisierten Unternehmen:

    Es gibt heute Tausende von Stunden mit Videomaterial in hoher Qualität. Dessen Gliederung nach verschiedenen Suchbegriffen erleichtert die Suche nach den richtigen Datenbanken mit Video Footage sind online verfügbar und nicht schwieriger zu bedienen als vergleichbare Plattformen mit Fotoarchiven.

  • Keine Kosten für die Dreharbeiten:

    Der Aufwand für Planung und Durchführung von Filmaufnahmen entfällt komplett. Und damit auch das Risiko, dass aus menschlichen oder technischen Gründen beim Dreh etwas schiefläuft und das auf diese Weise generierte Videomaterial nicht den Erwartungen entspricht.

  • Transparente und einfach zu Budgetierung Lizenzkosten:

    Abhängig vom Anbieter muss Stock Footage entweder pro Einstellung oder nach Länge kalkuliert und abgegolten werden. Einzelne Anbieter gewähren für professionelle Videoproduktionen auch Pauschalen, die auf Basis des Videokonzepts verhandelt werden können. Und es gibt sogar Anbieter, die Archivaufnahmen kostenlos zur Verfügung stellen (siehe weiter unten).

  • Qualität:

    Moderne Videoarchive ergänzen ihren Umfang konstant und stellen sicher, dass die Videos in einer technischen Qualität von mindestens 4K verfügbar sind.

  • Kürzere Produktionsdauer:

    Der wichtigste und einzig wirklich zeitaufwendige Faktor auf der Zeitachse ist der Aufwand für die Recherche. Schnitt und Vertonung lassen sich verlässlich planen. Die Gesamtdauer für die Herstellung eines Videos nur aus Archivmaterial/Stock Footage hängt damit einzig von den Kapazitäten der zuständigen Stelle für die Bildrecherche ab. Wird dieser Prozess gut organisiert (Team aus Bildredakteur und Assistenz, möglicherweise zusammen mit Volontären) liegt die Produktionszeit für einen Imagefilm oder Werbefilm nur aus Stock Footage weit unter dem Umfang für einen real gedrehten neuen Film.

Diese Nachteile haben Videos, die nur aus Stock Footage bestehen

Wer sich überlegt, aus Archivmaterial ein Video zu erstellen, sollte sich folgenden Punkte bedenken, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Gefahren und Risiken bei der Videoproduktion nur mit Archivmaterial:

  • Übereinstimmung mit Aussagewunsch:

    es gibt Kernbotschaften, die sich nicht oder nur sehr unpräzise mit Stock Footage Bildern lassen.

  • Erfahrung und Kontakte:

    Fehlen die Erfahrungswerte für die Recherche und mangelt es an Wissen, welche Plattformen dazu frequentiert werden müssen, drohen Fehleinschätzungen. Wer erst im Laufe der Recherche feststellt, dass sich ein Konzept nicht mit Archivmaterial umsetzen lässt, hat ein Problem.

  • Länge der Einstellungen:

    Wer mit Archivmaterial arbeitet, benötigt einen Cutter oder Regisseur, der mit der Hilflosigkeit umgehen kann, dass Stock Footage ist, was sie ist. Oftmals wünscht man sich bei einer Aufnahme eine etwas längere Einstellungsdauer, um bei der Montage im Schnittrhythmus zu bleiben. Oder inhaltlich liegt eine Szene ganz knapp neben dem, was man idealerweise im Bild sehen sollte. In diesen Fällen hilft nur Flexibilität und Agilität.

  • Falsche Kompromisse:

    Ausgebrannte Rechercheure oder schlecht kuratierte Stock Footage verleiten schnell dazu, sich unter Zeitdruck mit dem verfügbaren Material einen Film zusammenzubasteln. Aus Zuschauer solcher Videos spürt man schnell einmal, dass hier mit dem Holzhammer Dinge zusammengezimmert worden sind, die nicht zusammengehören.

  • Stock Footage muss mit selbst gedrehtem Material ergänzt werden:

    Wer aus welchen Gründen auch immer nicht finden kann, was er sucht, muss möglicherweise einzelne Sequenzen ungeplant drehen, um den roten Faden Video aufrechterhalten zu können. Wird das nicht von vornherein mit Absicht geplant und in der Kalkulation vorgesehen, explodierende Kosten.

  • Qualität bei Aufnahmen älteren Datums:

    Um im Wettbewerb mithalten zu können, konvertieren die großen Anbieter für Stock Footage das bei Ihnen liegende Material regelmäßig in die neuesten technischen Formate. Man sollte bei Archivmaterial darum ein Auge darauf haben, ob dieses in 4K gedreht, oder nur durch Upscaling konvertiert und darum aktuellen Qualitätsanforderungen entspricht.

  • Probleme mit Buy-out:

    Wer seinem Auftraggeber eine vollumfängliche Übertragung der Rechte an einem Video schuldet, beispielsweise weil Umfang und Kanäle für den Einsatz eines Videos nicht abschließend definiert sind, kann mit Stock Footage in Teufels Küche geraten. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter von Video-Archivmaterial verbieten normalerweise und aus nachvollziehbaren Gründen den Weiterverkauf der Rechte an den Aufnahmen.

  • Kein Budget:

    Auch wenn sich mit einem Film, der statt gedreht, mit Stock Footage erstellt wird, ein schöner Batzen Geld einsparen lässt: mit zu wenig Mitteln sind auch Filme aus Archivmaterial zum Scheitern verurteilt.

Gratis Footage und kostenpflichtige Angebote

Ähnlich wie bei GEMA-freie Musik oder Stockfotos gibt es auch für Videoaufnahmen im Webplattformen, die Aufnahmen, oder einen Teil davon, kostenlos anbieten. Solche Angebote sind verlockend, aber für den professionellen Einsatz selten zu empfehlen. Die Abstriche, die dabei beim Umfang des Angebotes oder der Bildqualität eingegangen werden müssen, torpedieren die Machart und das Erscheinungsbild jedes Unternehmensvideos.

Bekannte Anbieter für Stock Footage/Archivmaterial:

  • Adobe Stock
  • Al Jazeera Creative Commons
  • Alamy
  • Associated Press
  • BBC: BBC Motion Gallery (1961–) und backstage.bbc.co.uk (2005–2010)
  • Can Stock Photo
  • CNN Collection (früher bekannt als: CNN ImageSource)
  • Branded Entertainment Network / Corbis Motion (heute über: Getty Images, und: Visual China Group)
  • Depositphotos
  • DVArchive
  • Film Archives, Inc.
  • Flickr
  • Footagevault
  • Fotolia
  • Fotosearch
  • Framepool
  • Getty Images
  • Internet Archive
  • iStock
  • ITN Source
  • NASA Images
  • Nautilus Productions
  • NBC Universal Archives
  • NHNZ
  • Nimia
  • Oddball Film+Video
  • Pixabay
  • Pexels
  • Pond5
  • Producers Library Service
  • Reuters
  • Science Photo Library
  • Shutterstock
  • Stocksy United
  • Vimeo
  • Visual China Group

Lass uns im Kommentarfeld bitte wissen, welche Erfahrungen du mit der Kreation und Zusammenstellung von Corporate Videos und Werbespots aus Archivmaterial gemacht hast. Danke!

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Carlo P. Olsson 90 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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